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Streifzüge

Für eine Linke mit gesellschaftlicher Dimension!

Anbei dokumentieren wir den Aufruf eines neuen Versuchs linker Organisierung in Österreich, bei dem auch Leute aus der Redaktion der Streifzüge beteiligt sind. Wer Interesse hat, den Text zu lesen und den Aufruf zu unterstützen, möge das tun.

Andreas Exner, Lorenz Glatz, Severin Heilmann,
Franz Schandl, Maria Wölflingseder, Petra Ziegler

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Willkommen!

Dies ist die neue, noch im Aufbau befindliche Seite der Vorbereitungsgruppe
“Für eine Linke mit gesellschaftlicher Dimension!”

Wir dokumentieren zunächst den Aufruf dazu, im Laufe des Frühjahrs 2010 ist weiters eine erste Konferenz “… auf dem Weg zu einer Linken mit gesellschaftlicher Dimension” (Arbeitstitel) geplant.

Wir würden uns freuen, wenn sich viele Leute aus verschiedensten gesellschaftlichen Bereichen unserem Aufruf anschließen würden, d.h. ihn auch unterzeichnen. Dies ist unter unserer Kontaktadresse organisieren /ät lnxnt .org (die eigenartige Schreibweise ist zwecks Schutz vor Spammails!) möglich.

Zum Zweck der Vorbereitung der oben genannten Konferenz wurden zwei Arbeitsgruppen gegründet, eine zur Diskussion von inhaltlichen Aspekten, möglichen Betätigungsfeldern sowie Elementen einer Programmatik, die andere zwecks organisatorischer Vorbereitung der Konferenz und damit eng verbunden der Suche nach möglichen nicht-hierarchischen Diskussions- und Organisierungsformen. Termine für die beiden AGs werden in Kürze bekanntgegeben. Über aktive Betätigung würden wir uns freuen!

Hier nun der Aufruf:

Für eine Linke mit gesellschaftlicher Dimension!

Vorbemerkung zur überarbeiteten Version:

Dies ist ein Diskussionspapier, in dem es um die Frage nach Chancen und Möglichkeiten für eine neue linke Organisierung mit gesellschaftlicher Dimension geht. Die Diskussion ist aus der Unzufriedenheit mit den existierenden Strukturen der Linken hierzulande erwachsen, aber auch aus der Hoffnung gespeist, dass ein Neuanfang möglich, ja notwendig ist. Trotzdem ist unsere Diskussion zuallererst ein Versuch. Eine Linke mit gesellschaftlicher Dimension kann nicht auf dem Reißbrett entworfen werden, sondern lebt von der Dynamik, die sie entfaltet.

Die Linke in Österreich 2010 – Stärken und Schwächen

Die radikale Linke ist heute meist in unterschiedlichsten Netzwerken tätig. Sie stellen insofern den „modernsten“ Flügel der gesellschaftlichen Veränderung dar als sie die Überwindung des „klassischen Typus der Partei“ (mit umfassendem Anspruch der Organisation aller Lebensbereiche) verkörpert. Die Vielfalt dieser Linken drückt sich u.a. durch Themenreichtum, Selbstverständnis, Geschlecht, Generation, Handlungsebene und -weise, Milieu aus.

Diese Stärke ist zugleich aber ihre Schwäche. Durch diese Ausrichtung besitzen diese Gruppen nämlich spezifisches Wissen und Erfahrung und organisieren sich oft ausschließlich nach den sie bestimmenden Parametern. Das kann einen reduzierten Szene-Blick fördern und engt oftmals sowohl hinsichtlich inhaltlicher wie organisatorischer Gesichtspunkte die Erweiterungsfähigkeit des eigenen Tätigkeitsbereichs ein

Das reine Aneinanderfügen dieser Gruppen bedeutet dabei noch keine Erreichung gesellschaftlicher Bedeutung – es besteht die Möglichkeit, dass diese Summe die Summe ihre Teile nicht übersteigt (evtl. sogar verringert) und somit keine zusätzliche Dynamik erreicht werden kann. Umgekehrt bedingt das Verharren nur in separaten Strukturen die Gefahr, dass die eigene tendenzielle gesellschaftliche Bedeutungslosigkeit aus der Innenperspektive nicht mehr ersehen und vor allem verändert werden kann. Der von uns angestrebten neuen Organisierung geht es also nicht nur um eine reine Koordinierung bestehender Initiativen, sondern um die Potenzierung emanzipatorischer Kräfte in allen Bereichen der Gesellschaft.

Warum eine neue Organisierung (und wie kann sie entstehen)?

Wenn der „Kommunismus die wirkliche Bewegung ist, welche den jetzige Zustand aufhebt“ (Marx), so müssen Prozesse, die diese Aufhebung anstreben, im Hier und Jetzt stattfinden. Keine Organisation kann auf der politischen Ebene diese Prozesse ersetzen oder stellvertretend vollziehen. Eine Herangehensweise, in der Veränderungen nur durch vorherige Machtergreifung und -ausübung denkbar sind, lehnen wir genauso ab wie eine zynische Distanzierung vom politischen Handgemenge unter Betonung der reinen Lehre und der moralischen Überlegenheit.

Die Befreiung von Unterdrückungs- und Herrschaftsverhältnissen kann unseres Erachtens nach aber nicht allein Ziel unseres Handelns sein, sondern muss im umfassenden solidarischen Umgang miteinander ihren Ausdruck finden. Die Überwindung herrschender Geschlechterverhältnisse, rassistischer Zuschreibungen und des Kapitalverhältnisses – also die Perspektive eines guten Lebens für alle – bedarf vor allem und ganz konkret des Eingreifens in Politik, Ökonomie, Medien, Kultur und Alltag. Es geht uns also um „Kritik im Handgemenge“ und um das Produzieren und Vertiefen gesellschaftlicher Brüche. Es geht uns um den Aufbau von Formen nachkapitalistischer Vergesellschaftung wie um das Eingreifen in existierende Bewegungen zur Überwindung von Ausbeutung und Herrschaft – in allen Lebensbereichen!

Die Vorteile der kollektiven Organisierung über die Zusammenhänge hinaus, in denen wir individuell und/oder als Gruppen bereits jetzt tätig sind, liegt

- in der erhöhten Wahrnehmung größerer Strukturen,

- in der besseren Nutzung gemeinsamer Ressourcen,

- in einer relevanteren Mobilisierungsfähigkeit,

- in der Möglichkeit eines breitenwirksamen publizistischen Auftretens,

- in der besseren Koordinierung von Aktionen und Kampagnen.

Wir erkennen hierin die Chance, über gezielte Interventionen und Debatten die kritische Schwelle der „gesellschaftlichen Dimension“ zu durchbrechen und auch in den zyklischen Flauten sozialer Bewegungen für die Sichtbarkeit und Diskussion von Alternativen zu sorgen!

Je mehr Gruppen, Initiativen und Individuen dieses Projekt unterstützen, desto mehr Personen werden sich dafür interessieren. Alle AkteurInnen bringen ihr Wissen und Kontakte, ihre Forderungen und Erfahrungen ein – es liegt an der Plattform selbst, hieraus Dynamik zu entwickeln.

Keinesfalls entsteht die Organisierung als Wahlinitiative. Zwar kann sich die Organisierung nicht unpolitisch zu Wahlen verhalten, doch wird sie sich unter keinen Umständen auf Minderheitenfeststellungen einlassen.

Wofür will die Organisierung stehen?

Für ein gutes Leben für alle! Es gibt keinen Kapitalismus mit menschlichem Antlitz! Für ein Gemeinwesen frei von Kapital, Ausbeutung und Staaten, frei von geschlechtlichen Zuschreibungen, rassistischen Zumutungen und subjektiven Zwangsverhältnissen.

Gegen das Kapitalverhältnis zu sein, beinhaltet die Kritik und angestrebte Abschaffung von Lohnarbeit, Privateigentum an Produktionsmittel, Grundeigentum sowie sexistischer und rassistischer Modi der gesellschaftlichen Arbeitsteilung. Klar ist auch, dass Geschlechterhierarchien und Rassismus nicht auf das Kapitalverhältnis reduziert werden können. Alle Formen herrschaftlicher Vergesellschaftung gilt es zu überwinden.

Die Funktion unserer Organisation wäre es, all jene im Prozess der Selbstermächtigung zu unterstützen, die mit der gegenwärtigen autoritären und ausbeuterischen Struktur von Wirtschaft und Gesellschaft zusammenstoßen. Unsere Aufgabe ist es, ihre Erfahrungen zu verallgemeinern, sowie die Bedingungen und Ursachen einer umfassenden Kritik zu unterziehen. Sinnvolle Aktionen sind daher immer solche, die auch Selbstvertrauen, Autonomie, Initiative, Teilnahme, Solidarität, egalitären Tendenzen und Eigenaktivität in sozialen Auseinandersetzungen stärken.

Aus unseren Aktivitäten, Diskussionen und Analysen ist eine Programmatik zu entwickeln, die der Vielfalt unseres Denkens und Handelns gerecht wird und gleichzeitig eine Perspektive kollektiver Veränderung in den Blick nimmt. Startpunkt hierfür ist unser gemeinsames Experiment und nicht eine von allen in allen Punkten geteilte „Weltanschauung“.

Wie könnten die Strukturen aussehen?

Verbindlichkeit ist nötig, um kontinuierliche politische Tätigkeit zu entwickeln. Deshalb soll es persönliche Mitgliedschaften geben. Zwecks Verfügbarkeit notwendiger Infrastruktur sollen auch Mitgliedsbeiträge eingehoben werden. Doppelmitgliedschaften sind dabei selbstverständlich möglich.

Wichtiger Aspekt unserer Organisierung soll insbesondere eine Offenheit gegenüber all jenen Leuten sein, die auf Grund ihrer Lebensumstände nicht regelmäßig an unseren Aktivitäten teilnehmen können. Wichtig ist, dass die Partizipationsmöglichkeiten aller Individuen gefördert und unterstützt werden sollen, sodass sich eine Struktur der Entfaltung und nicht eine des gegenseitigen Verhinderns und Misstrauens entwickeln kann. Mehr als formaler Regeln braucht die Kultur des solidarischen Umgangs eine Grundhaltung, die auf Akzeptanz baut.

Die Bekämpfung von Machtasymmetrien – insbesondere in Bezug auf Geschlechterverhältnisse, rassistische Zuschreibungen oder jene zwischen „Insidern“ und Außenstehenden – kennt keine Patentrezepte! Ständige gemeinsame Reflexion sowie die Anwendung unterschiedlicher Formen herrschaftsvermeidender Kommunikation bedeuten deshalb wichtige Hilfestellungen.

Da die linke, eine größere Öffentlichkeit erreichende Publizistik völlig am Boden liegt, sehen wir den Handlungsbedarf, ein derartiges Medium (das Debatten innerhalb der Organisierung widerspiegelt, unsere Aktivitäten bekannt macht, in Bewegungen interveniert sowie Gesellschaftsanalysen „bietet“) zu entwickeln.

UnterzeichnerInnen (Stand 11.2.2010):

Amanshauser Bernhard, Baiculescu Michael, Bargehr Gabriele, Bartenberger Martin, Bernat Regina, Birkner Martin, Bratic Ljubomir, Dimitrova Petja, Dorfer Bernhard, Eder Barbara, Exner Andreas, Fleissner Peter, Gangl Georg, Glatz Lorenz, Grass Markus, Haumer Peter, Heilmann Severin, Hörtner Pablo, Isop Utta, Jauk Daniela, Jesenitschnig Tobias, Keller Fritz, Kerschbaum Thomas, Kranebitter Andreas, Kratzwald Brigitte, Krondorfer Birge, Kumrow David, Lambrecht Wolfgang, Leder Anna, Mende-Danneberg Bärbel, Mercnik Manfred, Mokre Monika, Monk Rainer, Naetar Franz, Nahar Renate, Neuhold Petra, Nöstlinger Franz, Pfeiffermann Karl, Pichl Peter, Presch Hedwig, Reinprecht Karl, Reitter Karl, Ressler Oliver, Riva Gianni, Schäfer Franz, Schandl Franz, Schmidt Wolfgang, Schneider Günter, Schönberger Klaus, Spörl Andreas, Strutz Helmut, Taucher Philip, Wallner Gerold, Weiss Stephanie, Wollner Eveline, Ziegler Petra, Zoister Klaus

Details und weitere Infos hier

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Für eine Linke mit gesellschaftlicher Dimension!

Streifzüge

Ein Anfang in der Landwirtschaft…

von Simon Junge

Simon Junge bewirtschaftet seit 2006 zusammen mit seinem Berliner Abnehmerkreis eine Gärtnerei in Pretschen (Spreewald). Diese sogenannte “Versorgungsgemeinschaft” finanziert den Betrieb durch die monatlichen Beiträge der Teilnehmer (Richtsatz 70,- Euro pro Haushalt). Eine gelegentliche Mithilfe bei der landwirtschaftlichen Arbeit ist Teil der Vereinbarung. Das Angebot erstreckt sich hauptsächlich auf Gemüse, aber auch Obst und Saft. Zudem laufen Bemühungen, die Dioscorea Batata (Lichtwurzel) im Anbau so weit zu bringen, daß sie regulärer Teil des Angebots wird. Anbauplan und Finanzierung werden gemeinsam erarbeitet und beschlossen. Die Erträgnisse werden ohne weiteres Bezahlen oder Wiegen abhängig vom persönlichen Bedarf und Verfügbarkeit untereinander verteilt. Angestrebt wird, die Versorgung auf alle wesentlichen Bereichen der Ernährung zu erweitern; also auch Getreidebau, Milchwirtschaft etc. Hiefür wird dringend nach einem neuen Standort im Osten von Berlin gesucht, der Raum für 4 oder mehr Familien bietet und mindestens 5 ha Nutzfläche dabei hat.
Alle Informationen zum Projekt und zur Hofsuche, incl. Adressen, finden Sie im Internet unter www.land-und-leute.com. Alle Interessenten sind herzlich eingeladen, Kontakt aufzunehmen.

Ein Resümee unserer sozialen Wirksamkeit

Sei es Verantwortungsgefühl für die Welt, Gerechtigkeitssinn, sei es das unbestimmte Bedürfnis,Widersprüche, wie sie im Leben allerorten auftreten, zu überwinden: irgendeine Motivation wird der Leser brauchen, um mir in diese Ausführungen zu folgen. Es geht um Konsequenz. Konsequenz als soziale, praktische, lebensnotwendige Aufgabe – unangenehm, weil einen die Betrachtung der Konsequenz auch zur Erkenntnis der eigenen Inkonsequenz führt. Eigentlich geht es mir darum, einen Vorschlag für das gesellschaftliche Leben zu unterbreiten. Um das vorzubereiten, müssen wir erstmal der Frage nachgehen, ob unsere sozialen Ansprüche, unsere Fortschrittsgesinnung im Leben eine Berechtigung haben und wie weit es damit her ist. Es empöre sich nicht gegen mich, wem es damit nicht ernst ist und es erwarte nicht jener angenehme eingängige Gedanken, der sich diese Ernsthaftigkeit zugute hält. Wir haben ein tiefreichendes, umfassendes Problem vor uns und dessen Lösung wird Arbeit kosten.

Zunächst: Wir stehen in einer sozialen Struktur drinnen. Wir tragen an einer Kultur mit, die sich in hohem Maße auf Zerstörungsprozesse gründet. Schlaglichtartig zur Erklärung: Fundament unserer Industrie- und Konsumkultur sind Verbrennungsprozesse. Der Preis unseres Wohlstands ist krasse soziale Ungleichheit. Das Recht wird mißbraucht, die Ungleichheit zu erhalten. Der Charakter des modernen Konsums ist besinnungsloser Verschleiß. Verschleiß und Raubbau – an unserer Naturgrundlage, am Menschen selbst.
Ich setze die Zustimmung des verehrten Lesers voraus und mache die Grundtendenz zur Zerstörung zum Ausgangspunkt dieser Überlegungen. Wie sieht es demgegenüber mit unseren Idealen aus? Wie steht es um unsere Gesinnung? Sind wir nicht gerne sozial, ökölogisch, lieben wir nicht die Gerechtigkeit? Gerade der Leser dieser Website wird, da bin ich mir sicher, sich eine fortschrittliche Gesinnung zugute halten. Und weiter: wie greift nun diese Gesinnung tatsächlich ins Leben ein? Was kommt dabei heraus an sozialer Wirksamkeit? Wenn Sie versuchen, darüber einen Überblick zu gewinnen, wird es möglicherweise unübersichtlich. Wir sind wirksam, von morgens bis abends (…auch wenn wir nicht wählen gehen, vielleicht sogar im Schlaf?) – wir wirken mit an einer Vielzahl von Verhältnissen, auch durch Unterlassung. Eine Übersicht können wir gewinnen, wenn wir uns folgende Fragen stellen:
- Für wen arbeiten wir?
- Wem geben wir unser Geld?
- Womit verbringen wir unsere Zeit?
…hier wäre nun eine Pause nötig, um zu bilanzieren. Bilanzieren Sie in aller Ruhe!
- Doch selbst wenn die eigene werte Persönlichkeit bei dieser Bilanzierung noch vorteilhaft abschneidet, so muß der Blick in die gesellschaftlichen Verhältnisse uns lehren, daß dies wohl die Ausnahme bildet. Oder kann gar jemand von sich sagen, daß er bewirkt, daß die Dinge eher den Bach hinauf- als hinuntergehen?

Die Bilanz muß nüchtern sein. Sie spiegelt die uns umgebende Realität. Manch einer wird empört sein: ich solle doch nicht in Bausch und Bogen alles niedermachen. Und Sie haben recht: Es ist zum Verzweifeln. Man spürt die Ohnmacht, wenn man sich den Verhältnissen mit Bewußtsein aussetzt. Nicht wenige haben darüber den Verstand verloren. Dieses Bewußtsein muß weh tun. Es soll uns mit schmerzhafter Vehemenz hinführen zu der Frage: wie läßt sich die vorherrschende Dynamik umkehren? Wie tragen wir den Aufbau hinein in die Zerstörung? Ohne daß wir in irgendeiner Weise an dieser Frage leiden, werden wir nicht ins Handeln kommen.

Um jetzt diese Schrift nicht zum bloßen Aufsatz verkommen zu lassen sei vorweggenommen, daß es mir eigentlich darum geht, einen Ansatz zu finden, in dem gerade das erreicht werden kann, daß wir in eine konstruktive Dynamik kommen. Ich muß nur erst feststellen, daß zwischen unserer Gesinnung und unserem tatsächlichen Tun eine Lücke klafft. Dies ist ein Vorwurf! Wir sind Teil des Problems! Wir können die Ansprüche aus unserer Gesinnung im Alltäglichen nicht erfüllen. Wir sind sozial inkonsequent. Als Begründung sind wir gewohnt zu verweisen auf die Verhältnisse, die uns zwingen, so oder so zu handeln. Das will ich auch unumwunden zugeben: ja, die Verhältnisse zwingen uns. Wir haben es nicht nur mit mangelndem Willen zu tun, sondern auch mit einer echten Not, mit einem Mangel an Alternativen. Über seine eigene Faulheit sei sich jeder selbst Rechenschaft schuldig. Hier soll es nur darum gehen, was man tun kann, wenn man bereits gewillt ist, sozial konsequent zu handeln.

Zur Tat

eine zentrale Rolle kommt der Landwirtschaft zu. Landwirtschaft kann man nicht nur so betreiben, daß man durch den sensiblen Umgang mit Boden, Tieren und Landschaft aufbauend, belebend wirkt, sondern auch durch die soziale Struktur, die sich um diese Prozesse bildet. Denn so, wie die aufmerksame ökologische Bewirtschaftung zum Boden und zur Landschaft gehört, gehört die Bildung von gemeinschaftlicher Verantwortung ins soziale Gewebe, das die Landwirtschaft umgibt. Aus dem ersten entstehen Nahrungsmittel, die den Menschen gesunden, aus dem zweiten entstehen Kräfte, die heilend in der Gesellschaft wirken. Ein wenig nüchterner ausgedrückt: in der Landwirtschaft ist es verhältnismäßig leicht, Erzeuger-Verbrauchergemeinschaften zu bilden, (zunächst) Zweckgemeinschaften, die das verwirklichen, was die eigentliche Aufgabe der (Land-)Wirtschaft ist: die Versorgung mit Gütern ausgehend vom tatsächlichen Bedarf. Man möge sich bitte klar machen, daß der Drang zur persönlichen Bereicherung eine der wesentlichen Triebfedern in der unheilvollen Dynamik des heutigen Wirtschaftslebens ist. Aber die Aufgabe der Wirtschaft ist eine gemeinnützige! Dahin führt uns organisch eine Vereinigung der Interessen von Erzeugern und Verbrauchern. Beachtet man dies nicht, so führt das dazu, daß beide Seiten bestrebt sind, sich gegenseitig auszunutzen. Und wenn kein Nutzen mehr aus der Sache herauszuziehen ist, hört die Beziehung einfach auf. Das führt im Ernstfall zum wirtschaftlichen Zusammenbruch. Die Wirtschaft wie sie heute ist, wird einfach aufhören uns zu versorgen, wenn sie keinen Nutzen mehr aus uns ziehen kann! Sehen Sie aus dem Fenster: diese Dinge kommen auf uns zu!

Es geht also nicht um Wohltätigkeit, mit der wir nach Feierabend unser erfrorenes Gewissen anwärmen, sondern daß wir unser Geld, unsere Arbeit, unsere Zeit in eine nachhaltige Wirtschaft geben. Auf die Landwirtschaft bezogen heißt das: wir leiten das Geld, das wir fürs Essen ausgeben und die Zeit, die wir fürs Einkaufen verwenden, in sinnvolle Zusammenhänge um. Verschiedene Beispiele, z.B. “Farmer John”, zeigen, daß auf diesem Wege ein gesundes, tragfähiges Wirtschaftsleben entsteht. Die Landwirtschaft ist aber keine reine Wirtschaftsveranstaltung. In ihr wird Natur gepflegt und Kultur geschaffen. Wenn sich hier Gemeinschaft bildet, so ist dies der sicherste Ausgangspunkt für eine konstruktive gesellschaftliche Dynamik.

Wenn diese sinnvollen Zusammenhänge einmal da sind, kann aus ihnen durch Alltäglichkeiten konstruktive Dynamik entstehen. Einfach durch Entscheidung für die Alternative werden wir im angestrebten Sinne wirksam. Allerdings sind in weiten Bereichen der Gesellschaft keine oder nur Scheinalternativen vorhanden. Unter solchen Verhältnissen einen Anfang zu machen, ist schwer. Denken Sie an das Gesundheitssystem: eine Kasse aufzubauen, bei der nicht die Maßnahme, sondern der Fortschritt zur Gesundung vergütet wird, ist unter den heutigen Gegebenheiten sogar unmöglich (obwohl ich darauf brenne, in dieser Ansicht korrigiert zu werden). Aus der Landwirtschaft heraus wird dieser Anfang am ehesten zu machen sein. Wenn wir eine neue Gesellschaft wollen – hier kann man ansetzen. Das muß man sich trauen am Anfang. Man muß sich trauen, zum Marktstand des kaltfüßigen Biobauern zu gehen und ihn zu fragen, ob er nicht gemeinsame Sache machen wolle mit seinen Kunden. Man muß sich festlegen. Die Freiheit, spontan gerade jetzt und gerade dort hineinzugehen und sich vom Überfluß der Ladenregale inspirieren zu lassen, muß man (ein Stück weit) aufgeben und sich auf eine Verbindlichkeit einlassen. Verbindlichkeit ist die Kraft des gemeinschaftlichen Impulses. Diese Möglichkeit gehört in das Bewußtsein jedes Einzelnen und sie verlangt nicht Revolution, sondern sie fließt in den Alltag ein

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Ein Anfang in der Landwirtschaft…

Streifzüge

Marie übt Anarchie

Ein partizipatives Musik-Theater-Projekt.

Neue Termine

Musikperformance über Arbeit, das liebe Geld und das gute Leben
mit Maren Rahmann und mit Rudi Görnet

Mittwoch 17. März
Samstag 20. März 2010
jeweils 19Uhr30

Ort: Fleischerei, Kirchengasse 44, 1070 Wien,
Tel/Fax 01/524 07 38

und am

Donnerstag, 18. März 2010
Ort: Stadtsaal Waidhofen an der Thaya

Details siehe hier

Marie ist Verkäuferin. Marie steckt im System fest. Unter miesesten Arbeitsbedingungen leidend, hat sie sich doch
einen wachen Geist, ein freches Mundwerk und ihre Fähigkeit zu träumen bewahrt.
Durch die immer noch aktuellen Lieder von Jura Soyfer (Eigenvertonungen) und ausgewählten Texten von Karl Marx u.a.
kommt sie ins Nachdenken und ihr Widerstandsgeist wird geweckt.
Die Verkäuferin beginnt zu verschenken statt zu verkaufen.
Sie lädt das Publikum ein, die lebensbeherrschenden Begriffe „Arbeit“ und „Geld’“ in Frage zu stellen.
Wo bin ich unfrei?
Ist eine Welt ohne Geld vorstellbar?
Wie könnte ein „gutes Leben“ aussehen?

Durch eine alle Sinne ansprechende Darstellung wollen wir zum genussvollen Denken anregen und brisante Themen und Theorietexte einem breiten Publikum spielerisch nahe bringen und verständlich machen.

Am Ende gibt es für alle Anwesenden die Möglichkeit, eine persönlichen Vision des „guten Lebens“ in Form von Menükarten als lust- und humorvollen ersten Schritt zur eigenen Utopievorstellung zu entwerfen.
Diese werden anschließend in einer Musik –Textsession vertont und
„zur Literatur erhoben“ dem Publikum zurückgegeben.

Von und mit:
Maren Rahmann (Spiel, Gesang, Akkordeon)
Rudi Görnet (Spiel, Kontrabass, Gesang)
Franz Schandl (Text)

3-Minuten-Video

Außerdem suchen wir Veranstalter.

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Marie übt Anarchie

Waldbesetzung-Kelsterbach

Repression gegen AusbaugegnerInnen geht in die nächste Runde

Die juristischen Repressalien gegen Menschen, die sich gegen den Flughafenausbau gewehrt haben, gehen weiter. Am Mittowch dieser Woche, dem 17.03.2010 um 09 Uhr findet vor dem Amtsgericht Frankfurt (Gerichtsstraße 2) ein weiterer Prozess gegen eine Ausbaugegnerin statt. Vorgeworfen werden ihr a) die Besetzung einer Rodungsmaschiene b) die Besetzung eines Baumes auf der Rodungsfläche und c) eine Kletteraktion im Rahmen des Jugendumweltkongress o8/09.
Wir rufen alle soliadrischen Persoinen auf, den Prozess kritisch zu begleiten!

Heute abend (15.03.) findet um 19:30 Uhr im Cafe Exzess in Frankfurt-Bockenheim (Leipziger Straße 91) ab eine Infoveranstaltung statt, bei der über die Gerichtsverfahren gegen AusbaugegnerInnen informiert werden wird.

Streifzüge

Buch NEU: “Uni Brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches”

Hrsg. von Stefan Heissenberger, Viola Mark, Susanne Schramm, Peter Sniesko, Rahel Sophia Süß

Verlag Turia + Kant
318 S., 16 x 24 cm, Paperback, EUR 24,-
ISBN 978-3-85132-604-8

“Uni brennt” war im Herbst 2009 der Ruf der Studierenden, aber auch vieler Lehrender, an der Universität Wien. Von hier ausgehend entwickelten sich weitere Protestbewegungen in Österreich, Deutschland und vereinzelt anderen Ländern. Gemeinsam ist ihnen die Kritik an der Bologna-Architektur und der neoliberalen Verwirtschaftlichung der Universität.

Dieser Band, entstanden aus Initiative von protestierenden Studierenden, macht sich auf die Suche nach den Ursachen, stellt grundsätzliche Fragen zum Bildungsbegriff und zur Bildungspolitik, versammelt kritische Positionen und Forderungen und gibt atmosphärische Stimmungsbilder aus den (ehemals) besetzten Hörsälen wieder. Die unterschiedlichen Textsorten – Wissenschaftliches, Essays, Kommentare, Satiren, Impressionistisches, Reden, Interviews etc. – sollen es den Leser_innen ermöglichen, sich dem Thema von verschiedenen Seiten zu nähern. Diesem Gedanken liegt auch die Autor_innenauswahl zugrunde. So kommen neben Studierenden selbst auch Lehrende (u.a. Jana Herwig, Paul Kellermann, Konrad Paul Liessmann, Herta Nöbauer, Pier Paolo Pasqualoni, Erich Ribolits, Thomas Schmidinger, Karin Schönpflug), Intellektuelle und Künstler_innen (Christian Felber, Gustav, Matthias Hartmann, Robert Menasse, Robert Misik, Bahman Nirumand, Doron Rabinovici, Marlene Streeruwitz, Armin Thurnher) zu Wort. Mit dem Schwerpunkt auf Wien soll das Zentrum der Proteste näher beleuchtet werden. Darüber hinaus sind Beiträge aus Graz, Klagenfurt, Salzburg, Innsbruck und Berlin enthalten.

Das Buch soll einen bunten und kritischen Diskussionsbeitrag zur Bildungsdebatte liefern, Ideen nicht verloren gehen lassen, eine kritische Öffentlichkeit informieren und ab und zu auch inspirieren. D.h. auch, dass unterschiedliche, z.T. sich widersprechende Positionen in diesem Buch versammelt sind. Es darf und muss über Bildung diskutiert und gestritten werden. Gemeinsam ist dem Großteil der Texte ein vorsichtiges bis starkes Bejahen der Proteste, das Raum lässt, sich mit den Geschehnissen selbst kritisch auseinanderzusetzen.

Der Band enthält auch einen Text zur “Kritischen und Solidarischen Universität – KriSU

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Buch NEU: “Uni Brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches”

xkcd.com

Porn For Women

Yes, there are a lot of longing looks across the bridge of Galactica first, but that's beside the point!

Suspekt...

Zend Webinar: Sichere Applikationen auf Basis des Zend Frameworks

Hier einmal ein Announcement in letzter Minute: in zwei Tagen halte ich für Zend ein Webinar über “Sichere Applikationen auf Basis des Zend Frameworks“.

Immer mehr PHP-Entwickler setzen das Zend Framework bei der Programmierung neuer Applikationen ein. Für die Entwicklung bringt dies einige Veränderungen mit sich, da mehr und
mehr Framework-Komponenten benutzt werden und immer weniger direkt auf PHP Funktionen zurückgegriffen wird. Dadurch ändert sich auch der Prozess, wie sichere Applikationen zu entwickeln sind.

In diesem Webinar erfahren Sie, welche Features des Zend Frameworks die Entwicklung sicherer Applikationen erleichtern, welche Features bei falschem Einsatz zu Sicherheitsproblemen führen können, welche Sicherheitsfeatures existieren, wie man sie einsetzt und welche Sicherheitsprobleme nach wie vor alleine gelöst werden müssen.

classless Kulla

Ohne Bezahlen

(via besserscheitern)

atheistcartoons.com

use your imagination


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<a href="

http://www.atheistcartoons.com/?attachment_id=3126">

<img src="http://www.atheistcartoons.com/wordpress/wp-content/uploads/2010/03/useyourimagination.jpg"></a>

Paste this comic into a forum…
[url="http://www.atheistcartoons.com/?attachment_id=3126"]
[img]http://www.atheistcartoons.com/wordpress/wp-content/uploads/2010/03/useyourimagination.jpg[/img][/url]

gwup | die skeptiker

Reality-Check für Jodie Foster: Skepsis in Hollywood

So so, “Contact” ist also sein Lieblingsfilm.
Sidney Perkowitz, Professor für Physik an der Emory Universität in Atlanta, outet sich heute in der Welt als Jodie-Foster-Fan:

Da sind die Wissenschaftler ausnahmsweise einmal keine weltfremden, degenerierten Irren, denen entweder eine Pfeife oder eine riesige Hornbrille mit Glasbausteinen aus dem Gesicht ragt. Jodie Foster ist wie aus dem Leben. Herrlich.”

Na, mag schon sein. Aber “wunderbar realistisch”?
Und was ist mit der Szene, wo Jodie Foster per Kopfhörer den Signalen eines Radioteleskops lauscht? Braucht man dafür nicht eher einen sehr leistungsstarken Computer, um kosmische Botschaften aus dem weißen Rauschen herauszufiltern?

Wie auch immer: Perkowitz stellt in dem Interview das Projekt „Science and Entertainment Exchange“ vor:

Dustin Hoffman hat es angeregt, zusammen mit ein paar Kollegen und Harvard-Forschern. Der Plan geht so: Steht in Hollywood ein neuer Science-Fiction-Blockbuster an, rufen die Regisseure bei der Akademie an – und die schicken mich oder jemand anderen. Der berät dann den Regisseur, zeigt den Schauspielern, wie sie ihr Reagenzglas halten sollen oder wie groß ein außerirdischer Riesenkäfer sein darf.”

Das heißt also: keine lauten Explosionen mehr im Weltraum? Keine roten Laserstrahlen, die gleißend durchs All zischen? Keine Action-Szenen mehr wie „Star Wars: Episode II – Angriff der Klonkrieger“ oder „Dark Star“, in denen ein Raumschiffpilot gekonnt an Hunderten von Asteroiden vorbeilenkt, von denen mindestens fünf gleichzeitig auf ihn zurasen? (Filmemacher haben keine Ahnung von der Ausdehnung des Sonnensystems. Befände sich ein Raumschiff inmitten eines Asteroidengürtels, etwa zwischen Mars und Jupiter, so könnte der Pilot froh sein, wenn er mit bloßem Auge mehr als einen oder zwei Asteroiden davon sehen könnte.)

Irgendwie schade. Damit geht uns doch womöglich glatt das Material fürs nächste GWUP-Filmquiz aus.

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Buch NEU: “Uni Brennt. Grundsätzliches – Kritisches – Atmosphärisches”

Hrsg. von Stefan Heissenberger, Viola Mark, Susanne Schramm, Peter Sniesko, Rahel Sophia Süß Verlag Turia + Kant 318 S., 16 x 24 cm, Paperback, EUR 24,- ISBN 978-3-85132-604-8 “Uni brennt” war im Herbst 2009 der Ruf der Studierenden, aber auch vieler Lehrender, an der Universität Wien. Von hier ausgehend entwickelten sich weitere Protestbewegungen in Österreich, Deutschland und vereinzelt anderen [...]

gwup | die skeptiker

Mädchen, warum wollt ihr Hexen sein?

Was sagt man dazu?
Vor fünf Jahren habe ich in meinem Buch “Geister, Gothics, Gabelbieger” die Frage aufgeworfen: “Wieso wollen junge Mädchen eine Hexe sein?”

Die ersten paar Zeilen der Antwort gingen so:

Schlicht gesagt: Um frei zu sein von Sorgen und Beschränkungen.
Nicht umsonst zielt die Popularisierung und Vermarktung des Hexen-Themas vor allem auf junge Mädchen zwischen zehn und 16 Jahren. In dieser Altersgruppe sind Okkultismus und Magie besonders gefragt – ob bei Liebeskummer, Schulsorgen oder Weltschmerz.
Die „neue Hexe“, analysiert Matthias Pöhlmann vom Esoterik-Referat bei der Evangelischen Zentralstelle für Weltanschauungsfragen (EZW), „dient weiblichen Teenagern oft als Identifikationsfigur, um sich der eigenen Bedeutung bewusst zu werden und Probleme auf magisch-spielerische Weise lösen zu können.”

Stimmt das?

Gestern hat sich das jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung genau dieses Themas angenommen – und zwar in Form der populären “Jungsfrage”, der folgendes Konzept zugrunde liegt:

Immer zum Wochenende: Jungs fragen Mädchen fragen Jungs, weil manches kapiert man einfach nicht bei denen.”

Zum Beispiel eben die Sache mit der “Hexe”:

Das wirkt jetzt vielleicht nicht so zwingend, aber es ist eine Sache, die mir schon lange immer mal wieder auffällt und jetzt muss sie raus: die Hexe. In jeder Community und jedem Forum taucht diese altmodische Berufsbezeichnung auf, meistens als Teil des Namens einer Userin. Da sind dann das Hexilein oder die Kleine Hexe, Gewitterhexe, Sexyhexe, hexchen88, etc. …
Ist das ein aus der Kindheit rührendes Role-Model? Geht es ums Wildsein, wollt ihr jemanden verhexen? Sagt doch mal.”

Es antwortet ein Mädchen mit dem Pseudonym mercedes-lauenstein:

Hexen sind schließlich alt, schrumpelig und übel verwarzt, oder? Aber so einfach ist das nicht. Denn wir nähern uns hier einem weiblichen Instinkt, der tatsächlich allen Mädchen innewohnt. Und der in seiner ursprünglichen Reinheit außerdem unverzichtbar für die Entwicklung einer echten Superfrau ist – und daher äußerst ernst zu nehmen: die unabdingbare Faszination für starke Frauenbilder.
Die Hexe ist da durch ihre Fähigkeit des Zauberns natürlich weit oben auf der Liste der bewunderten Idole. Sie setzt sich durch ihre übersinnlichen Fertigkeiten über jegliche Formen weltlicher Macht hinweg – ganz abgesehen davon, dass sie nebenbei auch noch fliegen kann!
Sie ist auf niemanden angewiesen außer auf sich selbst – kann also tun und lassen, was sie nur will. Diese Autarkie fasziniert uns kleine Mädchen von Kindesbeinen an.”

Eine interessante Erfahrung bei Schüler-Vorträgen ist übrigens die Diskusssion um den “Liebeszauber”. Gut oder schlecht?

Allermeistens meldet sich dann eine kesse Jung-Hexe zu Wort, die engagiert und wortreich erklärt, dass sie doch nur “weiße Magie” betreibe und damit anderen helfen wolle. Die Gegenfrage, was daran gut und “weiß” sein soll, einem anderen Menschen den eigenen Willen aufzuzwingen und dem Schicksal ins Handwerk zu pfuschen (vorausgesetzt natürlich, der faule Zauber würde tatsächlich funktionieren), führt dann schnell zu einer lebhaften Unterrichtsstunde.

Zumindest bis zu einer gewissen Altersstufe. Später empfinden die jungen Damen diese Frage allenfalls noch als seltsam.
So auch “mercedes-lauenstein”:

Dazu sei aber bitte auch gesagt, dass man diese betuliche Selbstdarstellungsphase vielleicht mit spätestens 18 Jahren überwunden haben sollte. Es wäre dann nämlich gesünder, fortan sein eigenes Idol zu sein. Sich als gestandene Frau immer noch unter einem „Hexen“-Pseudonym als besonders querdenkerisch auszugeben, wirkt albern.”

Zum Weiterlesen:

  • “Mädchen, warum wollt ihr Hexen sein?” jetzt.de am 12. März 2012

krisis

krisis 33 – Editorial

Der Neoliberalismus sei am Ende. So jedenfalls pfiffen es die Spatzen nach dem Finanzmarktcrash von 2008 von den Dächern. Indes, die wirtschafts- und sozialpolitische Praxis sieht zunächst  gar nicht danach aus. Zwar bekam der Guido Westerwelle gerade kräftig Prügel von fast allen Seiten für seine Tiraden, eine Armutsversorgung à la Hartz IV komme dem Versprechen auf „anstrengungslosen Wohlstand” gleich. Kritisiert wird aber vor allem der Ton seiner Äußerungen. In der Sache hingegen findet der Scharfmacher durchaus breite Resonanz. Westerwelles Zynismus wird jedenfalls noch von dem Zynismus der biederen Wochenzeitung ZEIT getoppt. Die treibt in ihrem Leitartikel vom 18.2. nur die Sorge um, angesichts der berechtigten „Kritik an der Form“ der FDP-Kampagne könnte die überfällig „unerschrockene Prüfung der sozialen Netze“ unterbleiben. Dementsprechend verwahrt sich das bildungsbürgerliche Zentralorgan dagegen, Westerwelles Äußerungen als das zu bezeichnen, was sie nun mal sind: Hetze der übelsten Sorte. Was da abläuft, ist leicht zu durchschauen und verfehlt dennoch nicht seine Wirkung. Westerwelle prescht vor, um, halb zurückgepfiffen, die allgemeine Marschrichtung vorzugeben. Auch der Blick über die deutschen Grenzen gerät in mancher Hinsicht zum Déjà-vu. Nicht nur wurde Griechenland gerade unter finanzpolitische Kuratel gestellt, auch alle anderen EU-Länder stehen vor einem weiteren rigorosen Kahlschlag des öffentlichen Sektors, der an die Rosskuren erinnert, die der IWF in den 1990er Jahren den krisengeschüttelten Ländern Lateinamerikas und Südostasiens zwangsverordnet hatte.

Geht das neoliberale Zeitalter also unverdrossen einfach weiter? Diese Vorstellung läuft auf eine Verharmlosung der Lage hinaus. Zwar ist es um Hegemonie der neoliberalen Ideologie in ihrer bisherigen Gestalt als marktradikalem Heilsversprechen tatsächlich geschehen, weil diese nicht mehr ins verschärfte Krisenszenario und zum neuen Notverstaatlichungskapitalismus passt. Doch jetzt sind andere, weit stärkere Geschütze angesagt: Offener Sozialdarwinismus und die Kulturalisierung der sozialen Widersprüche treten das ideologische Erbe des Neoliberalismus an.

Dass Ideologie und gesellschaftliche Praxis sich in unterschiedlichen Rhythmen verändern, ist kein neues Phänomen. Die Geschichte der Ideologien und die Realgeschichte des kapitalistischen Systems sind zwar eng miteinander verflochten, aber keineswegs deckungsgleich. Nicht nur, dass ideologisches Bewusstsein die kapitalistische Wirklichkeit und deren Entwicklung grundsätzlich nur auf dem Kopf stehend wahrnimmt; gemessen an der Ideologiegeschichte, die reich ist an Wechselfällen und teils unvermittelt anmutenden Umschwüngen, zeichnet sich die Realgeschichte durch einen weit höheren Grad an Kontinuität aus. Außerdem nehmen Ideologie- und Realgeschichte oft einen asynchronen Verlauf. Vor allem die großen Durchsetzungsideologien haben in der Regel ihre besten Zeiten bereits hinter sich, bevor die von ihnen mit auf den Weg gebrachten Veränderungsprozesse ihre gesamte Wucht entwickeln und die ganze Gesellschaft erfassen. Das gilt nicht zuletzt auch für die hegemoniale Ideologie der letzten Jahrzehnte, den Neoliberalismus. Der Siegeszug der marktradikalen Glücks- und Erlösungsreligion hat entscheidend dazu beigetragen, drei für die gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahrzehnte bestimmende Prozesse auf den Weg zu bringen: Die Durchökonomisierung aller sozialen Beziehungen, den damit einhergehenden Übergang zu einer nach markt-darwinistischen Regeln funktionierenden Ausschlussgesellschaft und die als Stärkung der Rechte des Individuums legitimierte totale Vereinzelung. Diese Prozesse laufen nach dem Konkurs des neoliberalen Erlösungsglaubens nicht nur weiter, Tempo und Durchschlagskraft dürften sogar noch zunehmen.

Die ideologische Hegemonie des Neoliberalismus erreichte in den 1990er Jahren ihren Höhepunkt. Damals verkündeten ganze Heerscharen von Anhängern die frohe Botschaft von der Segen spendenden Wirkung des totalen Marktes, der die Menschheit als ganze in eine goldene Zukunft führen solle. Dagegen begann das 21. Jahrhundert mit einem Doppelschlag, von dem sich die neoliberale Marktreligion nie mehr erholte. Die Chimäre einer Welt, die unter der Ägide von Marktwirtschaft und Demokratie in das Reich ewigen Friedens marschiere, wurde unter den Trümmern des World Trade Center begraben. Schon zuvor hatte das Platzen der High-Tech-Blase die Glaubwürdigkeit des neoliberalen Basiscredos schwer beschädigt, demzufolge das entfesselte Spiel der Marktkräfte letztlich den Wohlstand aller mehre. Klingt dieses Versprechen seitdem hohl, so versetzte das Finanzmarktdesaster vom 2007/2008 der ideologischen Hegemonie des Neoliberalismus den endgültigen Todesstoß. Spätestens seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers, der größten Bankenpleite der Geschichte, und der Notverstaatlichung des maroden Finanzüberbaus ist Neoliberalismus zu einer Art Schimpfwort verkommen. Kaum jemand outet sich noch freiwillig als Vertreter dieser Denkweise, umso beliebter ist quer durch alle politischen Spektren das Neoliberalismus-Bashing geworden. Selbst die FAZ, der diese Wendung vor drei oder vier Jahren wohl noch niemand zugetraut hätte, beteiligt sich und befördert das einstige Lieblingskind kurzerhand auf den historischen Misthaufen: „Der Neoliberalismus war eine Abenteuergeschichte, und die ganze Gesellschaft fieberte mit. Heute kommt sie uns vor wie eine Käpt’n-Blaubär-Story. Wir brauchen eine neue Geschichte“ (FAZ vom 8.10.2008).

Aussagen dieser Art verdeutlichen nicht nur einen rasanten Hegemonieverlust; sie geben indirekt auch darüber Auskunft, welchen Charakter der Abschied vom Neoliberalismus hat. In der FAZ-Interpretation schrumpft der Neoliberalismus darauf zusammen das Blaue vom Himmel versprochen zu haben. Die grundlegenden realen Umbrüche, die unter neoliberaler Ägide vollzogen wurden, kommen hingegen gar nicht vor. Sie bleiben unthematisiert und unkritisiert, weil sie als selbstverständlich und unhintergehbar vorausgesetzt sind. Der Neoliberalismus gerät in die Schusslinie, aber nicht, weil er der Vermarktwirtschaftlichung aller Verhältnisse Tür und Tor geöffnet hat, sondern weil er seine historische Mission als allgemeines Weltbeglückungsprogramm verkauft hat. Die freundliche Verpackung muss weg, damit jenes Umwälzungswerk mit neuer ideologischer Legitimierung weiterlaufen kann. Der Neoliberalismus wird angesichts des Krisenschubs als kindische Käpt’n-Blaubär-Story abgetan und entsorgt, um Platz für Ideologien zu machen, die von vornherein einem knallharten Survival of the Fittest das Wort reden ohne dies noch zu verbrämen.

***

Die nach der Lehman-Pleite ergriffenen Maßnahmen zur Rettung des maroden Bankensystems waren zwar als kurzfristiges Krisenmanagement gedacht, leiteten aber irreversible Veränderungen im weltwirtschaftlichen Gefüge ein. Ob die Politik es will oder nicht, der Staat ist gekommen, um zu bleiben. Der Staatskredit ist zum Hauptträger der Schöpfung von fiktivem Kapital geworden. Zu massiven Staatseingriffen und einer fortgesetzten exorbitanten Ausdehnung des Staatskredits gibt es auf dem Boden der kapitalistischen Produktionsweise derzeit nur eine Alternative: Den Kollaps der Weltwirtschaft. Es liegt auf der Hand, dass diese Entwicklung die neoliberale Doktrin bis auf die Knochen blamiert. Aber noch etwas anderes springt ins Auge: Die von den Linkskeynesianern freudig begrüßte „Rehabilitation der Staatsintervention“ (Butterwegge) hat einen gänzlich anderen Inhalt als der Etatismus des „sozialdemokratischen Zeitalters“. Die Stärkung des Staates war im 20. Jahrhundert zumeist mit einer vermehrten Teilhabe breiter Bevölkerungsschichten am kapitalistischen Reichtum einhergegangen und hatte eine Relativierung des Primats der Ökonomie eingeschlossen. Der große Beitrag des alten Etatismus zur Durchsetzung und Stabilisierung des Kapitalismus bestand darin, große Teile der Bevölkerung in die Arbeitsgesellschaft zu integrieren. Der neue Staatsinterventionismus ist dagegen Ausdruck des absoluten Gehorsams gegenüber dem Anspruch der Ökonomie. Er ist darauf ausgerichtet, die geballte staatliche Geldschöpfungs- und Redistributionsmacht zur Rettung der „systemrelevanten“ Sektoren zu mobilisieren und so weit wie möglich auf diese Aufgabe zu konzentrieren. Der Schutz der Bevölkerung vor totaler Verarmung und andere wirtschaftsferne Ansinnen fallen nicht in diese Rubrik.
Selbstverständlich ist auch den Linkskeynesianern nicht entgangen, wie wenig die Notverstaatlichung des Bankensektors ein Gegenprogramm zur viel beklagten „Umverteilung von unten nach oben“ darstellte. Trotzdem witterten Organisationen wie Attac, deren Kapitalismuskritik sich im Wesentlichen auf eine reine Neoliberalismuskritik beschränkt hatte, kurzzeitig Morgenluft. Darauf konditioniert, den Interventionsstaat mit der Domestizierung des Kapitalismus gleichzusetzen, wollten sie im neuen Interventionismus einen Zwischenschritt auf dem Rückweg zum alten Etatismus sehen. Ein Staat, der plötzlich astronomische Geldmittel zur Stabilisierung der Finanzindustrie bereitstellt, so das Kalkül, könne schwerlich damit fortfahren, auch weiterhin das Sozial-, Bildungs- und Gesundheitssystem kaputtzusparen, denn er habe ja selber eindrucksvoll demonstriert, wie gegenstandslos das viel beschworene „Finanzierbarkeitsproblem“ in Wirklichkeit sei. Dass die offizielle Politik sich unter dem unmittelbaren Eindruck des Finanzmarktdesasters in Banker-Bashing übte und plötzlich aus der linkskeynesianischen Diskussion stammende Stichworte (Regulierung des Finanzsektors etc.) aufgriff, stützte diese Erwartung noch.

Diese Hoffnung ging jedoch vollkommen an der Realität vorbei. Zum einen zeichnete sich sehr schnell ab, dass die gigantische Staatsverschuldung den Spar(dis)kurs noch verschärfen würde. Denn gerade weil sich die gewaltigen Schuldenberge niemals wieder werden abtragen lassen, verwenden die Regierungen umso mehr Energie darauf, ihre Kreditwürdigkeit und Zahlungsfähigkeit gegenüber jenen Finanzmärkten zu simulieren, die sie soeben gerettet haben. Das aber gelingt am besten durch die Demonstration eisernen Sparwillens, der wie immer zuerst am Sozialbereich exekutiert wird. Der neue Staatsinterventionismus folgt also nicht nur einer anderen Orientierung als der traditionelle, er steht dessen sozialstaatlichen Zielen diametral entgegen.

Zum anderen hatten die Linkskeynesianer aber auch falsch eingeschätzt, wie sich mit dem Niedergang des Neoliberalismus das gesellschaftliche Klima und die ideologische Landschaft verändern würden. In den USA weht dem Hoffnungsträger Barack Obama gerade bei seinem wichtigsten Wahlkampfprogrammpunkt, der Gesundheitsreform, der Wind schon wieder ins Gesicht. Das kommt genauso wenig von ungefähr, wie der klare Sieg von Schwarz-Gelb bei der letzten Bundestagswahl. Der Glaube an den reinen Markt ging zwar verloren, das linkskeynesianische Mantra, Geld sei genug da, es komme nur darauf an, es „gerechter“ zu verteilen, hat deswegen aber weder an Plausibilität noch an Attraktivität gewonnen. Der Neoliberalismus ist desavouiert, nicht aber sind es die Zwangsverhaltensweisen und -vorstellungen, an deren Einübung er beteiligt war. Gerade angesichts von Wirtschaftskrise und explodierender Staatsverschuldung herrscht mehr denn je stillschweigender Konsens darüber, dass „die Ökonomie unser Schicksal“ (Walther Rathenau) und jeder sich selbst der Nächste sei.

Unter dem unmittelbaren Eindruck des Finanzmarktcrashs herrschte allgemeine Verwirrung, und der Glaube an die Unhintergehbarkeit und Rationalität der kapitalistischen Produktionsweise zeigte einen kurzen Moment lang Risse. Davon ist nicht mehr viel übrig und das sozialdemokratische Lager befindet sich auf beiden Seiten des Atlantiks schon wieder heillos in der Defensive. Was aus der ohnehin schon verkürzten „Kritik“ an der Finanzindustrie geworden ist, spricht in dieser Hinsicht Bände. Zum einen ist sie noch einmal auf die Forderung nach einem Verbot von Banker-Boni reduziert worden. Zum anderen wird die Empörung, zumindest in Deutschland, durchgängig vom Gruselstandpunkt der Opfergemeinschaft aus formuliert. Die Wut richtet sich gegen die mangelnde Bereitschaft der Charaktermasken des fiktiven Kapitals die Lasten mitzuschultern, und sei es wenigstens symbolisch. Dass die Antwort auf die Krise nur in die Hände spucken und den Gürtel enger schnallen heißen kann, wird in keiner Weise in Frage gestellt, sondern als selbstverständlich vorausgesetzt. Diese genuin antiemanzipative Grundorientierung stellt den sozialpsychologischen Boden dar, auf dem das offen sozialdarwinistische Denken gedeiht. Dieses geht nur noch einen Schritt weiter, übersetzt die allgemeine Forderung nach Opferbereitschaft in die Lust andere zu opfern und entsorgt auf diese Weise die schreienden Widersprüche des Krisenkapitalismus, indem es die Ausgegrenzten als das eigentliche gesellschaftliche Problem behandelt.

Der absehbare Erfolg des neuen Sozialdarwinismus als dominante Form der Krisenverarbeitung verdankt sich nicht zuletzt seiner Fähigkeit zwei vermeintlich gleichermaßen unumstößliche Lehren aus der jüngsten Geschichte miteinander zur Deckung zu bringen. Seit dem Untergang des Realsozialismus erschien es als evident, dass der Kapitalismus die einzig realistische Alternative zum Kapitalismus darstellt. Mit dem Abschmieren des Neoliberalismus und seiner Glücksversprechen aber hat sich untergründig die Überzeugung durchgesetzt, dass es keine allgemeine Perspektive auf Wohlstand und gesellschaftlicher Teilhabe mehr gibt, sondern nur noch die Aussicht auf eine allgemeine Vernichtungskonkurrenz. Dieses Dilemma, dass der Kapitalismus keine Alternative ist, aber auch keine zu haben scheint, löst der neue Sozialdarwinismus auf, indem er aus Vernichtungskonkurrenz und Ausschluss positive Werte und gesellschaftliche Ziele macht. Der neue Sozialdarwinismus lieferte im Gegensatz zum Neoliberalismus keine konsistente Welterklärung und er hat noch viel weniger als sein Vorgänger den Charakter einer geschlossenen Bewegung. Er verbreitet sich eher wie ein allgemeines ideologisches Fluidum, das mal in hoher, mal in niedriger Konzentration die Debatten färbt und das soziale Klima vergiftet. Zwei Spielarten dominieren hauptsächlich die Szene.

Die erste Spielart knüpft unmittelbar an den Mittelstandsklientelismus des verblichenen Neoliberalismus an und entwickelt diesen zu einer Form offenen gesellschaftlichen Marodierens weiter. Schon mit der Krise der Arbeit und dem Siegeszug des Neoliberalismus hatte der Interessensgegensatz zwischen den Funktionären des Kapitals auf der einen Seite und den Verkäufern der Ware Arbeitskraft auf der anderen Seite gegenüber dem sozialdemokratischen Zeitalter seine Qualität verändert. Aus dem weitgehend symmetrischen Konflikt verschiedener Warenbesitzerkategorien ist sukzessive ein asymmetrischer geworden. Angesichts der drohenden Verknappung kapitalistischen Reichtums werfen nicht nur die mit einer starken Wettbewerbsposition ausgestatteten Gruppen alle Hemmungen über Bord, diese auch auf Kosten des Restes der Gesellschaft zu nutzen. Im Zeichen des neuen Sozialdarwinismus erhält diese Skrupellosigkeit den Rang einer höheren sozialen Tugend, wird als eine Art Notwehr legitimiert und sogar pseudo-philosophisch aufgetakelt. Es war mal wieder der unvermeidliche Zeitgeist-Surfer Peter Sloterdijk, der die Stichworte lieferte, als er in der FAZ von einer „umgekehrten Ausbeutung“ schwadronierte, worunter er Folgendes versteht: „Lebten im ökonomischen Altertum die Reichen unmissverständlich und unmittelbar auf Kosten der Armen, so kann es in der ökonomischen Moderne dazu kommen, dass die Unproduktiven mittelbar auf Kosten der Produktiven leben“. Originell ist der von Sloterdijk verwandte Produktivitätsbegriff. Die Höhe des Einkommens ist das Kriterium, das zwischen Produktiven und Unproduktiven unterscheidet. Die unterbezahlte Krankenschwester ist demnach unproduktiv, der gut verdienende Immobilienmakler dagegen produktiv. Und weil die erstere den letzteren gnadenlos ausbeute, könne die Lösung nur darin bestehen, alle Steuern abzuschaffen und durch freiwilliges Mäzenatentum zu ersetzen. So lachhaft diese Idee selbst noch vom Standpunkt der kapitalistischen Verwertungslogik ist, die ohne staatlichen Rahmen gar nicht funktionieren kann (von der eben erst erfolgten Rettung des Finanzsystems durch den Staat ganz zu schweigen), so sehr stimmt Slotderdijk damit doch die Begleitmusik zur sukzessiven Auflösung des kapitalistischen Gesamtzusammenhangs an, in dem die Noch-Gewinner alle Rücksichten für all jene fahren lassen, die unter die Räder der Vernichtungskonkurrenz geraten und diese dafür auch noch verhöhnen.

Die zweite Spielart des neuen Sozialdarwinismus unterscheidet sich von dieser zynischen Affirmation der individuellen Vernichtungskonkurrenz insofern, als sie den sozialen Ausschlussdiskurs zusätzlich neo-rassistisch unterfüttert. Pate steht dabei das bereits vor zwanzig Jahren ausgebrütete Konstrukt vom „Kampf der Kulturen“, wonach „der Westen“ sich in einem erbitterten Existenzkampf mit „dem Islam“ befinde. Schien diese Wahnvorstellung auf dem Höhepunkt der Finanzmarktkrise für einen kurzen Moment in den Hintergrund zu treten und gänzlich einer strukturell antisemitischen Hetze gegen „die Spekulanten“ zu weichen, so hat sich mittlerweile gezeigt, dass sie sehr wohl auch weiterhin als Form der Krisenverarbeitung wirksam wird (vgl. dazu den thematischen Schwerpunkt von krisis 32). Paradigmatisch waren in dieser Hinsicht die rassistischen Ausfälle des SPD-Mitglieds Thilo Sarrazin, der in seinen Ausschluss- und Vernichtungsphantasien gegenüber den „ökonomisch Unbrauchbaren“ ganz unzweideutig auf „die Araber“ und „die Türken“ zielte, die aufgrund ihrer Zugehörigkeit zur „islamischen Kultur“ wesensmäßig leistungs- und integrationswillig seien und „unseren westlichen Werten“ feindlich gegenüber ständen. Da sprach einer offen aus, was die liberalen Mittelschichten ohnehin schon lange dachten und verschaffte ihnen so die Legitimation, ihre Angst vor dem sozialen und ökonomischen Absturz mit gutem Gewissen (schließlich verteidigt man ja die Werte der Aufklärung!) rassistisch zu kanalisieren. Es ist dieser identitäre „Mehrwert“, der befürchten lässt, dass diese Spielart der ideologischen Krisenverarbeitung, die deutliche Züge einer Verschwörungstheorie mit gewissen Parallelen zum antisemitischen Wahn aufweist, in nächster Zukunft immer stärkere Verbreitung finden wird.

Natürlich gibt es auch gut gemeinte liberale und links-demokratische Kritik am neuen Sozialdarwinismus. Doch die bleibt schon deshalb hilflos, weil sie den Kapitalismus selber als den unhintergehbaren Rahmen jeder emanzipativen Anstrengung akzeptiert und mit Jürgen Habermas der Meinung ist: „Seit 1989/90 gibt es kein Ausbrechen mehr aus dem Universum des Kapitalismus; es kann nur um eine Zivilisierung und Zähmung der kapitalistischen Dynamik von innen gehen. (Die Zeit, 6.11.2008). Eine Linke, die diese Präventivkapitulation als ihre eigene Denk- und Handlungsvoraussetzung festschreibt, ist von vornherein zum Scheitern verurteilt. Sie muss eine prinzipielle Versöhnbarkeit von kapitalistischer Logik und emanzipativer Perspektive in die herrschenden Verhältnisse hineinsehen, die dort nicht zu finden ist. Schon mit der Verkürzung von Kapitalismuskritik auf Neoliberalismuskritik, hatten die Linkskeynesianer die Unaufhebbarkeit des Kapitalismus anerkannt und sich von dem Gedankien gesellschaftlicher Emanzipation verabschiedet. Angesichts des manifesten Krisenschubs mit diesem gesellschaftlichen Grundkonsens nicht zu brechen, heißt aber, dem neuen Sozialdarwinismus de facto das Feld zu überlassen. Denn indem dieser den massenhaften Ausschluss und die soziale Brutalisierung legitimiert, trägt er der Krisenwirklichkeit auf seine Weise durchaus Rechnung und weiß sich daher in Übereinstimmung mit einem Alltagsbewusstsein, dass die Gesetze der kapitalistischen Konkurrenz längst verinnerlicht hat. Der Linkskeynesianismus kann dem nur leere Versprechen über die Reformierbarkeit des Kapitalismus entgegensetzen, an die nicht einmal mehr er selbst noch wirklich glauben mag. Demgegenüber kommt es darauf an, den Widerspruch, dass der Kapitalismus weder eine Alternative ist noch eine hat, nicht etwa zu leugnen, sondern vielmehr schonungslos offenzulegen. Das ist die Voraussetzung dafür, den neuen Sozialdarwinismus in allen seinen Spielarten als Ausdruck eben dieses Widerspruchs zu kritisieren und ihm als solchen entschlossen entgegenzutreten.

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In diesem Sinne hatten wir schon die vorherige Ausgabe der krisis dem Schwerpunkt „Kreuzzug und Jihad “ gewidmet. Die vorliegende Nummer setzt diese Thematik fort, und ergänzt sie durch weitere Aspekte zur Analyse des Krisenkapitalismus.

Den Auftakt macht Karl-Heinz Lewed, der in seinem Aufsatz Erweckungserlebnis als letzter Schrei seine in krisis 32 formulierte Kritik am Islamismus subjekttheoretisch erweitert. Er zeigt, dass der Islamismus nicht nur auf der Ebene der abstrakten Allgemeinheit und der staatlichen Souveränität als Erbe der Modernisierungsbewegung verstanden werden kann, sondern zugleich auch die irrationale Rückseite der Aufklärungsvernunft repräsentiert. Das gilt für die mit antisemitischen Wahnvorstellungen verknüpfte Konstruktion von Kollektividentitäten ebenso wie für die geschlechtliche Abspaltung, die für die moderne Subjektform konstitutiv ist. Lewed analysiert die verschiedenen Dimensionen dieser Irrationalität mit Hilfe psychoanalytischer Begriffe aus der Freudschen Narzissmustheorie und versucht diese dabei zugleich wertkritisch zu reformulieren. Der Islamismus kann so vor dem Hintergrund der psycho-sozialen Konstitution moderner Subjektivität als immanentes Moment im globalen Krisenprozess der kapitalistischen Waren- und Subjektform begriffen werden. In den globalisierten Dschihadbewegungen, die Ausdruck des fortgeschrittenen Zerfalls nationaler Bezugsräume sind, äußert sich ein in seinen eigenen Widersprüchen gefangenes Bewusstsein einer verwilderten, postmodern männlichen Subjektivität. Im Einzelnen zeigt der Autor dies anhand der Schriften der ideologischen Stammväter des Islamismus, Qutb und Maududi, sowie an der Charta der Hamas.

Ergänzend dazu analysieren Ernst Lohoff und Attila Steinberger die Hintergründe der Massenproteste im Iran und stellen dabei vor allem die Frage, wieso die Opposition trotz der eklatanten Krise des islamistischen Regimes nicht in der Lage war dieses zu stürzen. Als zentralen Grund dafür sieht Lohoff, dass die Protestbewegung keine tragfähige gesellschaftspolitische und soziale Perspektive formulieren konnte, die aus dem Dilemma der gescheiterten kapitalistischen Modernisierung hinausweist. Auf der einen Seite haben die sogenannten Reformer im Grunde nichts anderes zu bieten als einen neoliberalen Kahlschlag. Auf der anderen Seite hat das postdemokratische Regime die soziale Frage auf autoritäre und klientelistische Weise besetzt. Ein Ausweg könnte nur darin bestehen, den Kampf gegen das Regime zugleich auch als Kampf gegen die krisenkapitalistische Notstandsverwaltung zu verstehen und damit in eine weitergehende Perspektive gesellschaftlicher Emanzipation einzubinden. Steinberger richtet den Blick stärker auf die institutionellen Strukturen und Widersprüche des iranischen Regimes. Er zeigt, wie es den konservativen Kräfte um Ahmadinedschad in den letzten zehn Jahren gelungen ist, die Machtbalance zu ihren Gunsten zu verschieben und die Opposition in Schach zu halten und welche sozialen, ökonomischen und politischen Widersprüche damit verbunden sind.

Auf einen anderen Aspekt der Krisenanalyse konzentriert sich der Aufsatz Streifzüge im Postfordismus von Julian Bierwirth. Er setzt sich mit den postoperaistischen Konzepten der immateriellen Arbeit und des General Intellect auseinander und zeigt, dass diese die Krise der Arbeit zwar indirekt reflektieren, aber nicht dechiffrieren können. Ausgehend von der Vorstellung, „Wert“ sei eine für alle menschlichen Gesellschaften gültige Kategorie, die durch die ideellen Projektionsleistungen der Warensubjekte mit einem jeweils unterschiedlichen Inhalt gefüllt werden kann, erscheint vielmehr die Krise des Kapitalismus als neue Wachstumspotenz. Dabei zeigen sich diese Konzepte nicht nur als untauglich, die Veränderung vielfältiger Unterdrückungsmechanismen wie etwa der patriarchalen Arbeitsteilung systematisch zu erfassen und zu kritisieren, sie spielen darüber hinaus auch systematisch den bürgerlichen Vorstellungen neoklassischer Weltbetrachtung in die Hände.

Neil Larsen würdigt in seinem Aufsatz Idiom der Krise Adornos Methode der immanenten Kritik, verweist aber auch auf deren historische Grenzen. Zwar gelingt es Adorno nicht, systematisch die negative Totalität des Werts und seine Krise zu erfassen und in sein Denken einzubinden, weil er sich nicht ganz von den transhistorischen Kategorien des traditionellen Marxismus lösen kann. Dennoch antizipiert er in gewisser Weise diese Krise in ihren Auswirkungen immer dann, wenn er sich mit den kulturellen, ästhetischen oder ethischen Besonderheiten seiner Zeit auseinandersetzt. Könnte es nicht sein, fragt der Autor, dass, wenn Adorno auf das „falsche“ Ganze durch seine Teile blickt, seine Neigung zu transhistorischen Abstraktionen durchbrochen wird? Jedenfalls dort, wo er das Einzelne als direkten kulturellen, ethischen oder ästhetischen Ausdruck dieses Ganzen begreift, mit dem es sich vermittelt?

Tomasz Konicz schließlich analysiert in seinem Beitrag Osteuropa in der Krise den Krisenverlauf in verschiedenen osteuropäischen Ländern sowie die sozialen, politischen und ideologischen Konsequenzen. Durch den EU-Beitritt wurde in den osteuropäischen Ländern eine wirtschaftliche Scheinblüte und Konsumorgie ausgelöst, die im Wesentlichen auf massenhafter privater Verschuldung und Immobilienspekulation beruhte. Im Zuge der Weltwirtschaftkrise brach diese Defizitkonjunktur jedoch zusammen, mit verheerenden Auswirkungen für privaten Konsum, Staatsfinanzen und Sozialsysteme. In Folge der damit einhergehenden Verelendung kam es einerseits zu einer Renaissance der Subsistenz- und Datschenwirtschaft wie in der Krise der 1990er Jahre. Andererseits beförderte die Entwicklung auch ein Erstarken von Antisemitismus und Antiziganismus sowie den Aufstieg rechtsextremer und faschistischer Gruppierung insbesondere in Rumänien, Bulgarien, Tschechien und der Slowakei.

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Wie immer setzen wir die Auseinandersetzung mit den Themen dieser krisis-Ausgabe über Beiträge fort, die auf unserer Homepage krisis.org publiziert werden. Diese hatte übrigens im ersten Jahr seit ihrer Neugestaltung einen Andrang von über einer halben Million Besucherinnern und Besuchern zu verzeichnen, was selbst unsere optimistischsten Erwartungen übertraf. Auch in dieser Hinsicht gilt: krisis ist mehr als eine Zeitschrift.

Ernst Lohoff und Norbert Trenkle für die Redaktion
Februar 2010

Das Editorial wurde gegenüber der Druckfassung leicht aktualisiert.

gwup | die skeptiker

Skeptiker vs. Klimaskeptiker

Während die neueste Skeptiker-Ausgabe sich mit eingebildeten Gefahren der grünen Gentechnik befasst, ist die Desinformation über Globale Erwärmung das Thema in der neuesten Ausgabe von Skeptical Inquirer. Anfang der 80er Jahre gab es erste konkrete Vermutungen über einen Zusammenhang menschlichen Tuns und der Erwärmung der Erdatmosphäre. Inzwischen besteht hierüber Konsens unter Klimaforschern: Während sich Fachwissenschaftler darüber streiten, wie hoch die von Menschen verursachte Erwärmung ausfällt, ist die Übereinstimmung, dass dieser Zusammenhang besteht, einstimmig. Die Aussagen des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) gibt in etwa die mittlere Erwartung wieder.

In seinem SI-Artikel Disinformation about Global Warming schreibt David Morrison, wie schockiert er war, dass dieser Zusammenhang auch unter manchen Skeptikern bestritten wurde. Er zeigt die Unhaltbarkeit von 10 häufigen Argumenten der Klimawandel-Leugner. Unter anderem erläutert er, dass die Temperaturen heute höher sind als in den letzten paar tausend Jahren und dass sie Mitte des 20. Jahrhunderts das letzte Hoch von vor etwa tausend Jahren überschritten hatten. Er geht zuletzt auch auf die bekannt gewordenen Emails von britischen Wissenschaftlern ein. Natürlich “menschelt” es auch bei Wissenschaftlern, schreibt er, doch gäbe es keinen Hinweis auf eine Verfälschung oder eine Unterdrückung von Daten. Nichts in dieser Kontroverse ändere was am derzeitigen Wissensstand oder am wissenschaftlichen Konsens.

Zum Schluss geht Morrison auch darauf ein, dass die CO2-Produktion weiter am steigen ist und dass die potentiellen problematischen Auswirkungen dramatisch sein können. Auch wenn es richtig sei, als Skeptiker über spezielle Vorhersagen skeptisch zu bleiben, sollten wir unsere Augen nicht davor verschließen, was auf unserem Planeten jetzt los ist.

Unsere  Verantwortung hört nicht bei der wissenschaftlichen und kritischen Information über unhaltbare pseudowissenschaftliche Thesen auf. Als GWUP und als Skeptiker bleibt es auch unsere Aufgabe, dort auf pseudowissenschaftliche und irreführende Desinformation einzugehen, wo der wissenschaftliche Stand der Dinge auf den Kopf gestellt wird. Der Stand der Wissenschaft wird immer wieder der Wunschwelt mancher religiösen, politischen oder weltanschaulichen Ideologien und Interessenlagen entgegenstehen, wie man zu den Themen Evolution, Klimawandel und grüne Gentechnik sieht. Eine zutreffende Einschätzung der realen Welt ist alle Mal besser, als den Scheinwelten der Ideologien auf den Leim zu gehen. Auch wenn man von liebgewonnenen Überzeugungen Abschied nehmen muss.

Gute wissenschaftlich fundierte Quellen für weitere Informationen zum Thema Klimawandel sind RealClimate und SkepticalScience.

gwup | die skeptiker

Aliens beim “House”-Arzt

Ein 15-jähriges weibliches Model wird auf dem Laufsteg aggressiv und klappt zusammen. Heroinabhängigkeit? Posttraumatisches Stress-Syndrom? Nichts dergleichen – sondern Hodenkrebs. Denn das junge Mädchen ist genetisch ein Mann, zwar mit innenliegenden Hoden, aber auch die können Tumoren entwickeln.

Der Arzt, der auch in diesem bizarren Fall die richtige Diagnose stellte („männlicher Hermaphroditismus“) heißt Dr. Gregory House und arbeitet am fiktiven Princeton Plainsboro Lehrhospital.

Dr. House ist zynisch, selbstherrlich, uneinsichtig und schmerzmittelabhängig. Patienten hält er grundsätzlich für „Lügner“, entsprechend abweisend behandelt er sie. Dennoch ist das TV-Publikum süchtig nach dem griesgrämigen Misanthropen. Zitat aus einem Internetforum: „Sicher ist ein netter und kompetenter Arzt das Optimum, aber im Zweifelsfall ist mir Kompetenz lieber.“

Und kompetent ist er allemal, der querulante Anti-Brinkmann (immer dienstags bei RTL). Sogar eine vermeintliche Alien-Entführung kann er entmystifizieren, und zwar in der Folge „Zu den Sternen“.

Die Story: Ein kleiner Junge wird mit Wahnvorstellungen in die Klinik eingeliefert. Er hat Angst, dass Aliens ihn holen wollen und er einen Chip im Rücken hat, mit dem sie ihn anpeilen.

Nach mehreren Untersuchungen stellt das Team fest, dass das Kind tatsächlich ein Metallstück neben der Wirbelsäule hat. Nichts Besonderes eigentlich, hatte es doch vor einigen Jahren einen Armbruch, der mit einem Nagel behoben wurde. Aber was ist mit den Abduktions-Phantasien und dem Gefühl der Fremdbestimmtheit?

Die Diagnose des „House“-Arztes: das Fetus-in-Fetu-Syndrom. Also gewissermaßen ein Baby im Baby.

Dahinter verbirgt sich eine äußerst seltene Entwicklungsanomalie einer Mehrlings-Schwangerschaft, bei der sich irgendwo im Körper des Babys ein unterentwickelter Fötus einnistet, oft nur als kleiner Zellhaufen oder Gewebemasse und kaum von einer Zyste zu unterscheiden. Manchmal auch „Parasitic Twin“ genannt und mit einem primitiven Nervensystem ausgestattet. 

Leider gibt’s zu diesem Fall nicht viel mehr nachzulesen – auch nicht im aktuellen Buch der medizinischen Beraterin der Serie, Lisa Sanders. Darin geht es um „mysteriöse Krankheitsfälle und ihre Diagnose“ (so der Untertitel).

Das ist ganz spannend, interessant und lesenswert. Aber – anders als man vielleicht vermuten könnte – keine breite Sammlung von obstrusen ärztlichen Anekdoten, sondern eher ein Plädoyer der Autorin für „eine aussterbende Kunst“: nämlich die unmittelbare körperliche Untersuchung des Patienten.

Gibt es eigentlich auch in der Realität Mediziner, die sich mit angeblichen Alien-Implantaten beschäftigen?

Der CSI-Investigator Joe Nickell zitiert in einem seiner Bücher Dr. Virgil Priscu vom Department of Anesthesia am Kaplan Hospital in Rehovot, Israel: „No mystery, no implants“ erklärte ihm dieser. Nach Priscus Einschätzung können bei vielerlei Gelegenheiten (zum Beispiel beim Barfußlaufen oder bei einem Sturz) Splitter oder andere kleine Objekte unbemerkt in den Körper gelangen, von Gewebe ummantelt werden und sich dort lange Zeit festsetzen.

Dazu passt auch die Beobachtung, dass die ersten „Entführten“, wie Betty Andreasson in den 1960ern oder Dorothy Wallis Anfang der 80er-Jahre, noch dezidiert von kleinen kugelförmigen „Implantaten“ mit Stacheln oder Widerhaken berichteten, die zum Zweck der Gedankenkonterolle tief in die Nase eingepflanzt worden sein sollen.

Mittlerweile, da das Konzept breit bekannt ist, stößt man in der Ufo-Literatur auf alle möglichen Formen und Materialien, von Glasscherben bis hin zu sternförmigen Gegenständen aus Karbonfasern. Am ganzen Körper – sogar im Penis.

Her damit! Geht leider nicht.

Obwohl selbst Ufo-gläubig, beklagt nicht nur Priscu einen augenfälligen Mangel an physischen Beweisen („hard evidence“) für das behauptete Phänomen. 

Einen besonders bizarren Fall von außerirdischen Implantaten wollten Ufologen bei dem Amerikaner Richard Price ausgemacht haben. Er behauptete, die kleinen Grauen hätten ihn im Alter von acht Jahren entführt und ein kleines Objekt in seinen Penis implantiert.
Ein Arzt bestätigte, dass darin tatsächlich ein Fremdkörper eingekapselt sei. Nach acht Jahren fiel er heraus. Er hatte einen Durchmesser von knapp einem Millimeter und war vier Millimeter lang. Wissenschaftler am Massachusetts General Hospital untersuchten das seltsame Objekt sorgfältig. Ihr Befund: Collagen, das vom Körper an einem Entzündungsherd gebildet worden war. Plus Baumwollfasern aus Richard Price’ Unterwäsche.

Und so bleibt für die Skeptiker derzeit wohl nur das Fazit von CENAP-Chef Werner Walter:

„Angebliche Alien-Implantate erwiesen sich schlussendlich nicht als technische Nanowunder-Kontrollinstrumente, sondern als simple und vor allen Dingen irdische Materialien, die den Menschen irgendwie und irgendwann mal in ihrem natürlichen Umfeld und unbewusst unter die Haut kamen und sich dort verkapselten.”

Zum Weiterlesen:

Grumpy Gamer

Tim and Dave and I

Tim and Dave and I spent the afternoon hanging out at LucasArts.  Don't jump to any conclusions.  You'll only make yourself sad.

gwup | die skeptiker

Mit den Clowns kam das Grauen

Unser Blogging „Wer hat Angst vor den bösen Clowns?“ hat anscheinend einen Nerv getroffen.

Neben der Anfrage eines TV-Senders, ob ich im Fernsehen etwas psychologisch Hintergründiges zum Thema Coulrophobie sagen könnte (kann ich natürlich nicht), gab es Literaturwünsche von Betroffenen, die ich aber ebenfalls nicht bedienen kann. Weil mir kein Fachbuch bekannt ist, das sich explizit mit der Angst vor Clowns beschäftigt.

Dafür ist im Ernst-Reinhardt-Verlag gerade die Handreichung „Der Clown in der pädagogischen Arbeit“ erschienen. Na, die haben vielleicht Nerven.

Darüber hinaus hat uns per E-Mail die folgende Geschichte erreicht, verbunden mit der Frage, was die freundlichen Skeptiker von der GWUP denn davon halten.

Also, hier zunächst die Story:

Im Theater fällt einem Ehepaar ein, dass es vergessen hat, der neuen Babysitterin eine Handynummer zu geben, mit der es im Notfall zu erreichen ist. Der Mann geht raus ins Foyer und ruft zuhause an. Die Studentin notiert sich die Nummer und fragt bei der Gelegenheit, ob sie im Elternschlafzimmer fernsehen darf.

Denn das TV-Gerät dort ist an eine Satellitenschüssel angeschlossen, während im Wohnzimmer nur wenige Kanäle zu empfangen sind, damit die Kinder nicht so oft vor der Glotze hocken.

Klar, sagt der Mann, kann sie tun.

Gerade als er das Gespräch beenden will, möchte die Babysitterin noch etwas loswerden: Ob sie vielleicht die lebensgroße Clownsfigur neben dem Kleiderschrank außer Sichtweite schieben dürfe – irgendwie sei der Anblick etwas gruselig und mache sie nervös.

Der Mann wird bleich und schreit die Studentin an, sie solle auf der Stelle mit den Kindern die Wohnung verlassen und zu den Nachbarn laufen. Das Ehepaar rast nach Hause und alarmiert noch unterwegs die Polizei, die gleichzeitig mit den Eltern eintrifft. Mit der Babysitterin durchsuchen sie das Schlafzimmer.

Die Rollläden sind hochgezogen, das Fenster steht weit offen, die Clownsfigur ist verschwunden.

Not so bad, würde mein alter Englischlehrer jetzt sagen. Und doch wenig mehr als eine klassische Scary Story.

Scary Stories sind schaurig, schreckenerregend und furchteinflößend. Und implizieren zumeist eine Warnung vor den mannigfaltigen Gefahren, die um uns herum lauern. Etwa vor listigen und skrupellosen Gewaltverbrechern.

Dass die Wandersage von der vermeintlichen Clown-Statue keine reale Entsprechung findet, haben auch die Experten von About.com: Urban Legends recherchiert – allerdings nicht ohne auf den berüchtigten Serienmörder John Wayne Gacy hinzuweisen, den „Killerclown“.

Das war in den 1970ern. Und seither sind die schrecklichen Spaßmacher fester Bestandteil der Populärkultur. Auch in „Zombieland“ leidet einer der Protagonisten an Clown-Phobie.

Sind Clowns nun scary oder nicht? Hier können Sie abstimmen.

Zum Weiterlesen:

  • Massenmörder hinter der Clownsmaske, Spiegel-Online am 12. März 2010

classless Kulla

Deep shit

Nach den Hochhäusern kamen die Wolkenkratzer. Dann folgten Tiefenkratzer, Bodenkratzer, Unterkratzer, Greenscrapers und Farmscrapers. Jetzt werden in Malaysia Wasserkratzer entworfen.

(via awesome)

xkcd.com

GeoIP

'Meet hot young singles in your mom's basement today'? Man, screw you, GeoIP.

Grumpy Gamer

Monkey Island 2: SE

Last night I went to a swanky party held at the Farimont hotel in the Tonga room, and place that looks like a ballroom that a pirate ship crashed into, where LucasArts announced Monkey Island 2: Special Edition featuring all new Guybrush hair.

It's hard to believe that twenty years later so many people would sill love and play Monkey Island.  I would not have believed it if you told me back then.  We were just making a game and hoping we didn't get fired for having so much fun.

Here is a picture of Tim suitable for framing or carry around in your wallet.

atheistcartoons.com

stuff god can’t do


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[img]http://www.atheistcartoons.com/wordpress/wp-content/uploads/2010/03/stuffgodcantdo.jpg[/img][/url]

keimform.de

FabLab-Camp in Bremen

Ende Februar fand in Bremen das erste Barcamp zum Thema Fablabs in Deutschland statt. Hier ein kurzer Film (startet erst, wenn geladen) über das Selbstständigen-Treffen [via].

FabLabCamp 2010 Der Film from FabLab Camp on Vimeo.

Streifzüge

Block Bologna

Termine

Thursday, 11 March

10:00 – 12:30, university, subway-station schottentor, “unirampe”, vienna – blockbologna blocade – workshop

12:00 – 14:30, in front of academy of fine arts, schillerplatz 3, 1010 vienna – blockbologna blocade – workshop

15:00, westbahnhof, vienna demonstration: “united against cutbacks in education and welfare”

evening: BLOCK BOLOGNA

Friday, 12 March, UniCampus, Spitalgasse 1-3, vienna

13.00-14.00 – Summit Kick-Off – “Why a counter-summit?”
14.00-16.00 – Crash course workshops (ABC of education politics, Bologna basics) / Café Transnational: Space for international networking and exchange of protest experiences
16.00-18.00 workshop CHECK-IN
18:00-20:00 Panel: Crisis of higher education institutions and Bologna / Neoliberal counter-reforms at higher education facilities, critical conclusion, #unibrennt movement

Saturday, 13 March, UniCampus, Spitalgasse 1-3

09:30-10:00 Workshop Check-In
10:00-12:30 Workshops (Analysis & Criticism)
12:30-13:30 Lunch Break
13:30-15:30 Workshops (Analysis & Criticism)
15:30-16:00 Coffee break
16:00-18:00 Workshops (Alternatives)
18:15-20:15 Final podium: Alternative prospects

Sunday, 14 March

On sunday will be alternative city tours through the some protest locations. The Café Transnational can be continued and lead into a declaration of the community, which includes claims and plans for further actions to continue until the bologna process is history!

Post from: Streifzüge. Bei Gefallen: Lösegeld

Block Bologna