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Waldbesetzung-Kelsterbach

Schreiben an die Stadt Kelsterbach

Mahnwache gegen den Flughafenausbau

Ihr Schreiben vom 15. Januar d. J.

Sehr geehrter Bürgermeister Ockel (bzw. Nachfolger),

beim Heizen ist mir Ihr Schreiben vom 15. Januar d. J. in die Hände gefallen, welches sich mit Ihren Beziehungen zur Mahnwache gegen den Flughafenausbau befasst, und aus den Gründen die ich Ihnen darlegen werde sehe ich mich zu einer unmittelbaren Entgegnung veranlasst. Seit über einem Jahr arbeite ich auf der Mahnwache gegen den Flughafenausbau, welche mich als Rechtsnachfolgerin der Waldbesetzung übernommen hat, um die verkehrspolitischen Interessen meiner Region geltend zu machen. Der Waldsassengau sieht sich auch aufgrund seiner zentralen Lage fehlgeleiteten Infrastrukturplänen gegenüber, welche es erforderlich machen in der Gesamtheit der Verkehrspolitik realistische Wachstumsprognosen durchzusetzen, damit nicht fehlerhafte Planungsgrundlagen dazu führen dass unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Erschließung das Land zerstört wird. Bei Ihnen im Maindelta liegt in Form des Flughafenausbaus bereits jetzt eine Umwelt- und Finanzkatastrophe vor, welche das gesamte Gefüge des politischen Föderalismus nachhaltig erschüttert hat. Als – wider besseres Wissen – mit der Subventionsruine begonnen wurde, mussten die gigantischen Konjunkturspritzen für die Infrastrukturfinanzierer vom ganzen Land bezahlt werden. Ebenso ist auch der darauf folgende Wortbruch beim Nachtflugverbot keine innere Angelegenheit Hessens.

Daher habe ich als Vertreter der Mahnwache gegen den Flughafenausbau auf der Konferenz gegen die Änderung des Luftverkehrsgesetzes am 3. Dezember 2009 im Fritz-Treutel-Haus in Kelsterbach die Bürgermeister der Region darauf hingewiesen, dass ausschließlich eine permanente Präsenz im Außenbereich – wie sie von den Anwohnerinitativen Ihrer Region in Form der Mahnwache gegen den Flughafenausbau geleistet wird – den tatsächlichen Vorrang des aktiven über den passiven Schallschutz durchsetzen kann. Nur dadurch dass immer jemand draußen ist, können Sie sich sicher sein dass Sie nicht von der Obrigkeit anschnauzt werden: Ach mauern Sie sich halt ein. Denn erst wenn sie aktiv in Anspruch genommen wird, ist dafür gesorgt dass auch tatsächlich eine Ruhe einkehrt. Auf diese Weise geht von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau eine Rückversicherungswirkung für die Geltung des Verursacherprinzips bei Beinträchtigungen der öffentlichen Lebensqualität aus, welche der politischen Willensbildung insgesamt zugute kommt. Das macht die Aktion nicht nur für mich als Fremden mit eigenen Interessen attraktiv, sondern auch für Ihre Region, die damit ein politisches Pionierprojekt vorweisen kann, welches überall da, wo eine nachholende Entwicklung die Fehler des 20. Jahrhunderts zu vermeiden sucht, reges Interesse findet. Unsere internationalen Beziehungen sind besser als die des Flughafens.

Nimmt man hingegen Ihre bisherigen Ausführungen zu unserer Präsenz zur Kenntnis, dann wird nicht erst bei den unterschiedlichsten behaupteten technischen Einzelheiten, sondern bereits im Entwurf des Grundverständnisses deutlich, dass hierin eine äußerst mangelhafte Kenntnis der Ziele der Mahnwache gegen den Flughafenausbau vorliegt, obwohl Ihnen doch die Möglichkeit offen steht sich aus öffentlichen Quellen frei zu informieren. Primäres Ziel der Mahnwache gegen den Flughafenausbau ist es, unmittelbar bei Eintreten des Baustopps die Rückversetzung des dadurch zerstörten Landes in den Ausgangszustand und die Neutralisierung des dabei geschehenen Unrechts zu veranlassen. Dieser kann jederzeit verkündet werden oder noch auf sich warten lassen. Deshalb ist es nicht möglich eine zeitliche Befristung vorzugeben, da eine solche von der Subventionswirtschaft lediglich als Anreiz aufgefasst werden würde sie zu überschreiten. Ebenso wenig ist es möglich, eine Beschränkung der räumlichen oder personellen Ausdehnung anzugeben, da diese bei einem Anliegen vom genannten Stellenwert erwartungsgemäß weitreichenden Schwankungen und Unwägbarkeiten unterliegt. Auch detaillierte Ansprüche zur inneren Organisation der Präsenz, zur Art der verwendeten Materialien oder Bauweisen sowie zum Brandschutz müssen notwendigerweise unwirksam bleiben, da diese Dinge durch das alltägliche Wechselspiel persönlicher Ermessensspielräume mit wechselnden klimatischen Bedingungen geregelt werden. Übergeordnetes Prinzip hierbei ist, dass eine Veranstaltung, deren Zweck Erhalt und Rekultivierung einer von einer Investitionskatastrophe zerstörten Fläche ist, um ihn nicht aus den Augen zu verlieren diesen auch auf die hierfür als Mittel in Anspruch genommene Fläche anwenden muss. Dass dies der Fall ist müssten Sie als Bürgermeister eigentlich selber merken.

Gottseidank ist das was Sie dort zusammenschreiben für unseren Alltag weitestgehend irrelevant. In einem Punkt muss ich Sie jedoch direkt auffordern Ihre Position zu korrigieren. Mit der Behauptung, von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau gehe eine negative Wirkung oder gar Gefahr für irgendjemanden aus, verursachen Sie eine nicht verantwortbare Beeinträchtigung unserer Arbeit. Derartige Verleumdungen führen im Wald zu einem zusätzlichen Stalkingaufkommen durch Büttel welche sich einbilden in unserer Nähe nach der vermeintlichen Gefahr fahnden zu müssen. Dies ist nicht nur deswegen lästig, weil wir bereits einem ungefilterten Lärmaufkommen ausgesetzt sind, und daher gehalten leichter vermeidbare Belastungen um so stärker zu reduzieren, sondern auch da es sich dabei oftmals um Berufsverbrechereinheiten handelt, deren Angehörige ausschließlich aufgrund ihrer charakterlichen Mißstände in diese ideologisierte Rolle befördert wurden, und von denen aufgrund ihrer entmenschlichten Gewaltbereitschaft und fehlenden Transparenz ein allgemeines Sicherheitsrisiko ausgeht. Immer wieder müssen deshalb Büttel von der Mahnwache vergrämt sowie gegen von diesen in den Wald eingeführte Fahrzeuge und Reittiere Sichtschutzanlagen und Verkehrsberuhigungen errichtet werden. Jegliche Sicherheit dagegen dass diese die dünne Grenze vom Stalking zum Vandalismus, zur Körperverletzung oder zum Raubüberfall überschreiten muss ständig von neuem hergestellt werden. Auf diese Weise wird die öffentliche Gefahr welche Sie zu erkennen vermeinen realisiert, nur dass sie nicht wie fälschlicherweise unterstellt von der Mahnwache gegen den Flughafenausbau ausgeht, sondern von der Verklappung von Überkapazitäten an Staatsgewalt um uns herum, welche durch derartige verwaltungsmäßige Fehltritte verursacht wird. Damit beißt sich bei Ihnen in argumentativer Hinsicht die sprichwörtliche Katze in den Schwanz.

Um in diesem Punkt wieder ins Reine zu kommen wird es jedoch wahrscheinlich nicht genügen dass Sie Ihre Äußerungen berichtigen, dazu dürfte das Wort eines Bürgermeisters bei einer bereits in Marsch gesetzten Berufsverbrechereinheit wohl kaum ausreichend Gewicht haben. Um die Geister wieder loszuwerden die Sie gerufen haben, möchte ich Ihnen daher den Vorschlag unterbreiten in gütlichem Einverständnis die Verkehrsberuhigung der Gelben Grundschneise von uns zu übernehmen. Durch Errichtung eines Mittelpollers auf Höhe der Böschung Mönchwaldsee kann der störende Durchgangsverkehr sinnvoll verlagert werden. Auf diese Weise werden weder der Lieferverkehr der Mahnwache noch der durchgehende Fahrrad- und Fußgängerweg beeinträchtigt, wer jedoch lediglich zum Spazierengucken durchfahren möchte darf sich dafür einen besser geeigneten Weg suchen. Dies sollte außerdem rechtzeitig vor Beginn der Badesaison erfolgen, um von vornherein die Schwierigkeiten mit parkplatzsuchenden Badegästen zu vermeiden welche sich im Vorjahr bekanntlich immer dann auftaten sobald der Andrang einen bestimmten Grad überschritt. Ihnen stehen für eine solche Vorrichtung dauerhaftere und flexiblere Materialien sowie ein weiterreichendes Verrechtlichungsinstrumentarium bereit als der Mahnwache gegen den Flughafenausbau, welche diese Aufgabe lediglich aus unmittelbarer Nothilfe heraus übernommen hat.

Ihren Vorschlägen zur weiteren Entlastung unserer Beziehungen sehe ich entgegen.

Mit freundlichem Gruß,

classless Kulla

“Leben im Rausch” - Gliederung und Aufbau

Parallel zum Egotronic-Buch arbeite ich schon am vermutlich etwas aufwendigeren Buch über Rausch und Drogenpolitik, das auch erst frühestens im nächsten Jahr fertig sein wird.

Was es schon gibt, ist ein klareres Bild von Aufbau und Gliederung.

“Leben im Rausch”

Im einleitenden ersten Teil soll es um die Lage der dealenden Bevölkerung gehen, um ethical dealers, Strafverfolgung, Entsolidarisierung und politische Kampagnen. Davon ausgehend will ich die Fragen des Buches aufwerfen, wie es zu dieser zugespitzten und absurden Situation gekommen ist, ob wir überhaupt mit den richtigen Begriffen hantieren und welche möglichen Konsequenzen es gibt.

Im zweite Teil geht es um die wichtigste Grundlage: den Rausch; um die zahllosen bekannten Rauschzustände des Nervensystems, in die es ohne Einnahme bestimmter Substanzen gerät; erst dann um die Entstehung und Entwicklung der spezifischen Rauschzustände, die von den Anti-Pflanzenfresser-Giften vieler Pflanzen ausgelöst wurden; schließlich um die folgenreiche Verwechslung von Rauschzustand und chemischen Folgereaktionen durch das Aufkommen der Pharmakologie.


“Wenn der Koala zum Eukalyptus- Abhängigen erzogen wird…” (Siegel: Rauschdrogen, S. 50)

Der dritte Teil beschäftigt sich mit Sucht, also zunächst mit der Vielfalt von Abhängigkeiten und Zwangsstörungen, die viele oder alle Kriterien von Sucht erfüllen, und die zum Teil erheblich stärker verbreitet sind als substanzgebundene Abhängigkeiten: Arbeitssucht, Spielsucht, Ernährungsstörungen usw. Bei den Substanz-Süchten wird es darum gehen, daß die am weitesten verbreiteten kaum als solche wahrgenommen werden (raffinierter Zucker!), und auch ansonsten Abhängigkeit von irgendeiner Substanz eher der Regelfall als die Ausnahme zu sein scheint.

Erst nach diesen Ausflügen in die schillernde Welt von Rausch und Sucht soll es im vierten Teil um Drogen gehen, um die Substanzen, die als “Rauschgift”, “Betäubungsmittel” und Gegner im “War on drugs” klassifiziert werden, und die eine sehr spezielle Position einnehmen - sowohl in ihren Wirkungen als auch in ihrer Suchtbildung (sofern sie stattfindet).

Teil 5 behandelt die Prohibition und die Verbote, mit besonderem Augenmerk auf den genuin politischen Verboten: die nationalsozialistische “Rauschgiftbekämpfung”, LSD 1966. (Hierher gehört wohl auch der Einsatz von Drogen als politische und militärische Waffe - die Entwicklung von Pervitin, MKULTRA, der CIA-Schmuggel von Heroin in die schwarzen Ghettos…)

Der letzte Teil soll sich schließlich mit dem Vorschein beschäftigen, mit bewußtem/kontrolliertem Gebrauch, mit Bewußtseinserweiterung, mit den drogengestützten Entdeckungen (die Doppelhelix, Polymerase-Kettenreaktion), mit den günstigen persönlichkeitsverändernden Wirkungen, mit den gesellschaftlichen Bedingungen, unter denen all das erst für alle möglich wäre - Kommunismus.

Derzeit lese ich hauptsächlich viel zu den Themen des Buches (mit den Re-Reads bin ich so gut wie durch) und bin für Hinweise immer dankbar. Putzig ist allerdings, daß manche anzunehmen scheinen, ich würde “neuerdings” über Drogen und Rausch reden und schreiben, mich gar nur an die Mode hängen damit - dabei gibt es neben Verschwörungstheorien und Kommunismus eigentlich kaum etwas, womit ich mich in den letzten 15 Jahren vergleichbar viel beschäftigt hätte.

xkcd.com

Orbiter

Normally, the Shuttle can't quite safely reach the orbital inclination required to pass over both those points from a Canaveral launch, but this is an alternate history in which either it launches from Vandenberg or everyone hates the Outer Banks.

gwup | die skeptiker

Wer heilt, hat recht?

Teil 1: Die Gebetsmühle

“Wer heilt, hat recht” ist ein Standardargument aus der alternativen Medizin.

Das Argument scheint schlagend – aber korrekterweise sollte es heißen: „Wer dabei war, hat recht“. Die Frage, welche Therapie – wenn überhaupt – bei der „Heilung“ eine Rolle gespielt hat, ist ja gar nicht geklärt. Nun, der „Heiler“ war dabei und beansprucht jeglichen positiven Effekt einschließlich des Placebo-Effektes für sich, und deshalb soll er recht bekommen. Ein Schelm, wer dabei an Trittbrettfahren denkt. „Wer heilt, hat recht“ ist die Gebetsmühle, mit deren Hilfe Anbieter der alternativen Medizin – ob Dr. med. oder nicht – auf Beutejagd gehen, und es funktioniert!

Die Vorgehensweise ist einfach: Man werbe von der regulären Medizin enttäuschte Patienten, gebe ihnen ein gutes Gefühl, rede ihnen gut zu, rede ihnen Krankheiten ein, die sie gar nicht haben, und binde sie ideologisch. Welche Quacksalber-Methode man dabei nutzt, ist eigentlich egal. Homöopathie ist ein besonders guter Kandidat, weil für sie massive Medienkampagnen gelaufen sind und sie auch ihre akademischen Helfershelfer hat, die ihnen notfalls den Stempel „wissenschaftlich“ aufdrücken. Wer darauf nicht anspricht, dem kann man ja indische oder chinesische Medizin anbieten.

Nun kann nichts mehr schief gehen. Wenn doch, liegt es an der verteufelten „Schul“-Medizin. Möglicherweise hat ein Arzt, berechtigt oder unberechtigt, eine Therapie mit vielen Nebenwirkungen verordnet. Bereits durch das Absetzen dieser Behandlung fühlt sich der Patient besser – ob ihm dies langfristig dienlich ist, sei dahingestellt: Erfolg Nummer eins. Wenn es dem Betroffenen trotz Beginn der alternativen „Behandlung“ schlecht geht – aber nur dann! – liegt es an der „Erstverschlimmerung“. Geniale Ausreden für Misserfolge! Sind Krankheiten eingebildet oder eingeredet, kann man sie ohnehin mit dubiosen Messmethoden als „geheilt“ erklären und als Erfolg abhaken. Bei anderen Beschwerden warte man nur ab – geht es dem Patienten, aus welchen Gründen auch immer, besser, ist es ebenfalls ein Erfolg. Auch bei dem natürlichen Auf und Ab einer Krankheit kann man durch „Anpassen“ der Scheintherapie immer einen Erfolg buchen. Stirbt der Kranke, war die Vergiftung durch die „Schul“-Medizin schuld. Egal, was passiert, „der Heiler hat immer recht“, denn er ist dabei, und alle Erfolge (von wo auch immer) sind sein Verdienst, alle Misserfolge dagegen ein Problem der „Schul“-Medizin – oder Resultat einer „Erstverschlimmerung“.

Rechthaberei ist der Ausgangspunkt solcher Sprüche im Marketingprogramm der „alternativen“ Medizin, nicht Sorge um Patienten. Ein wenig Bescheidenheit und Selbstkritik wären angemessener.

Klima!Bewegungsnetzwerk

Dänisches Gericht spricht KlimaaktivistInnen frei

Das Gericht der Stadt Kopenhagen hat heute Natasha Verco und Noah Weiss freigesprochen. Den zwei KlimaaktivistInnen wurde vorgeworfen, illegale Aktivitäten während des UN-Klimagipfels in Kopenhagen 2009 (COP15) organisiert zu haben. Doch diese Anklagepunkte konnten sich im Gericht nicht behaupten. Das Gerichtsurteil diskreditiert hingegen die gewaltsamen Methoden der Polizei während des Gipfels. Klimapolitisch engagierten Menschen wurde ihr demokratisches Recht verweigert die Klimaverhandlungen zu kritisieren.

(mehr…)
Bericht in Politiken.dk

Grumpy Gamer

Massive DeathSpank Review Round-Up.

Enjoy this massive DeathSpank review round-up.  And for those of you who don't know your alphabet, these appear in no particular order.

1up
3D Juegos
ABC's Good Game
Aggro Gamer
Ars Technica
Alternative Magazine Online
California Literary Review
Charlton Media
Crispy Gamer
Eurogamer
Fox News Gamers Weekly
Frictionless Insight
Game and Player
Game Cola
Game Focus
Game Pro
Gamer Revolution
Gamercast
GamersGlobal
GamersHell
Games Radar
GameSetWatch
GameSpot
Gammabit
Geek.com
Geek-Span
Giant Bomb
Goplok
Guardian UK
Hrej.cz
IGN
Jeux Video
Kotaku
MeriStation
MiastoGier
MTV
Nu's Views
Now Gamer
Nukezilla
Onion's AV Club
Opinionated Gaming
Perpetual Geek Machine
Playtime
Plaza Otavamedia
PolyGamer
PS3Info.pl
PSN Store
Rejected Gamer
RotoRob
RPGFan
RPGGamer
Square-Go
Today, Tomorrow and Tuesday
Tweakers.net
V Games
Video Gamer
Vandal Online
Wired
Wisegamers
XBLA Ratings
XBoxUser.de
Zero Punctuation

If I've missed any reviews (good or bad or non-english), send me a link.

gwup | die skeptiker

Hildegard-Medizin: Da erschaudert der Teufel

“Posaune Gottes” ist ein Artikel im aktuellen Spiegel Geschichte über die Äbtissin Hildegard von Bingen überschrieben. In erster Linie gibt’s viel Biografie, erst gegen Ende einen kurzen Schwenk zur heutigen “Hildegard-Medizin”:

Beliebt ist indes heute noch die nach ihr benannte “Hildegard-Medizin”. Sie wurde 1970 von einem österreichischen Arzt erfolgreich herausgebracht; zumindest im Marketing stand der Mann der Namensgeberin nicht nach.
Der Würzburger Klostermediziner Mayer entdeckte allerdings frappante Widersprüche zum Original. Kurios sei etwa das propagierte ,Hildegard-Fasten’. Im ganzen Werk der Benediktinerin fand Mayer dazu nur einen Satz: ,Das Fasten sollst du nicht übertreiben.’”

In der Tat wäre es wohl angebrachter, von “Hertzka-Medizin” zu sprechen denn von “Hildegard-Medizin”. Gottfried Hertzka ist nämlich der Name jenes österreichischen Arztes, der gemeinsam mit dem deutschen Heilpraktiker Wighard Strehlow den Vertrieb eines Sammelsuriums an Pflanzenpräparaten, Edelsteinen, Nahrungsmittel, Kosmetika und sonstigen Bedarfsartikeln für “gesunde Lebensführung” unter dem Signet “Hildegard-Medizin” groß aufzog.

Mit den Schriften Hildegards hat dieser Versandhandel nur noch entfernt zu tun, desgleichen die Flut der Publikationen, die sich seit Mitte der 80er über den Buch´markt ergießt. Die Ratschläge und Rezepturen, die Hertzka und Strehlow in ihrer ,Großen Hildegard-Apotheke’ für sämtliche nur denkbaren Erkrankungen vorlegen, entbehren jedes seriösen Wirksamkeitsnachweises”,

warnt der Psychologe und Sachbuchautor Colin Goldner in seinem Buch “Die Psycho-Szene”. Weitere Kritik aus medizinischer und historischer Sicht zitiert die informative Wikipedia-Seite zum Thema. Auch das Stiftung-Warentest-Nachschlagewerk “Die andere Medizin – Alternative Heilmethoden für Sie bewertet” kommt zu dem Urteil:

Die Vermarktung des Namens Hildegard von Bingen und die Nutzung ihrer Schriften in einer Weise, die durch das Original kaum gedeckt ist, hat die wohl kenntnisreichsten Professoren dieser Materie zu einer öffentlichen Erklärung veranlasst: Die Versuche, eine durchaus berechtigte Naturheilkunde als ,Hildegard-Medizin’ in die ärztliche Praxis und den Bereich der Apotheke hineinzutragen, entbehren jeder wissenschaftlichen Grundlage.

Das gilt insbesondere für die Edelsteintherapie Hildegards, “die ihre Vorstellungen meist aus visionärer Schau bezog”, schrieb Bernd Friede im Skeptiker 1/2002:

Die dort postulierten Wirkungen religiöser Entitäten auf das physische Befinden spiegeln das mittelalterliche Konzept der Einheit von seelischem und körperlichem Zustand wider. So heißt es im vierte Buch ihres Werkes “Physica” (“Von den Steinen”): “Gott hat in die Edelsteine wunderbare Kräfte gelegt (…) All diese Kräfte finden ihre Existenz im Wissen Gottes (..) und stehen dem Menschen in seiner leiblichen wie geistigen Lebensnotwendigkeit bei. (…) Jeder Stein hat Feuer und Feuchtigkeit in sich (…) Sie dienen dem Menschen als Segen und Heilmittel (…) Daher werden die Edelsteine vom Teufel gemieden und es erschaudert ihn bei Tag und bei Nacht”.

Die Anwendung der Minerale ist bei Hildegard von Bingen mit alchimistischen Ritualen und Magie verknüpft: Achat, vor dem Zubettgehen in Kreuzform durch das Haus getragen, vertreibe Diebe. Über den Topas schreibt sie: “Wenn jemand Fieber hat, grabe er mit dem Topas drei kleinere Gruben in ein weiches Brot, gieße reinen Wein in dieselben (…) und betrachte sein Gesicht in dem Wein (…) und spreche: “‘Ich sehe mich an wie in dem Spiegel (…), auf dass Gott dieses Fieber von mir vertreibe”.”

Den GWUP-Themeneintrag zu “Edelsteintherapie – Kristallmedizin – Lithotherapie” finden Sie hier.

Zum Weiterlesen:

  • Werbung für Heilsteine unzulässig, wahrsagercheck.de am 3. April 2009
  • “Welchen Einfluss haben Steine, Minerale und Edelsteine auf den Menschen?” Vortrag von Klaus Olschewski bei der 12. GWUP-Konferenz in Berlin
  • Mineralmagie und schwingende Kristalle, Skeptiker 1/2002

gwup | die skeptiker

“Schillerndes Dunkel ” – Die Gothic-Szene

Aus aktuellem Anlass geben wir einfach mal eine Spiegel-Buchempfehlung ungefiltert weiter: “Schillerndes Dunkel”, ein “üppig ausgestatteter Prachtband”, der “Licht in die finstere Subkultur” der Gothics bringt.

Der entscheidende Satz in der Rezension:

Im Gegensatz zu anderen Jugendbewegungen wie Mods, Punks und Rock’n'Roller, bei denen immer halbwegs klar war, worum es ihren Mitstreitern ging, blieben die Intentionen jener nebelig, die sich gern wie Gespenster schminken und kostümieren, sich für das Jenseits begeistern und auch mal über Friedhöfe spazieren. Für zusätzliche Irritationen sorgten immer wieder Geschichten über Anhänger der Gothic-Kultur, die sich angeblich für Faschismus und Satanismus begeistern.”

Genau das ist der Grund, weshalb sich auch Skeptiker in ihren Veröffentlichungen hin und wieder mit dieser Szene beschäftigen – und wenn es auch nur darum geht, die genannten Vorurteile kritisch zu hinterfragen und gegebenenfalls zu widerlegen. Seltsam, dass allein die Erwähnung der Gothics in diesem Zusammenhang schon für erregte Debatten sorgt, ohne dass die Diskussionsteilnehmer die entsprechenden Publikationen überhaupt gelesen haben. So dieser Tage geschehen bei Astrodicticum simplex und auch hier im GWUP-Blog.

Und klar werde ich mir “Schillerndes Dunkel” zu Gemüte führen.

Zum Weiterlesen:

  • Geister, Gothics, Gabelbieger – 66 Antworten auf Fragwürdiges aus Esoterik und Okkultismus. Alibri-Verlag, Aschaffenburg 2005

gwup | die skeptiker

GWUP im SWR-Fernsehen BW

Na, das ist ja endlich mal eine präzise Angabe: Homöopathie ist also besonders gefragt

  • bei Frauen
  • in Baden-Württemberg
  • zwischen 30 und 44 Jahren.

Steht so ernsthaft im Ankündigungstext der Sendung “Zur Sache Baden-Württemberg!”, die am Donnerstag (26. August) um 20.15 Uhr im SWR Fernsehen BW ausgestrahlt wird. Thema: “Fauler Zauber? Politiker wollen Homöopathie auf Kassenrezept verbieten.”

Die ,homöopathischen Kügelchen’ sind unwirksam, belegen viele medizinische Studien. Deshalb fordert SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach: Keine Homöopathie auf Kasse! Und das, obwohl diese Medizin besonders gefragt ist bei Frauen in Baden-Württemberg zwischen 30 und 44 Jahren.”

Aber wenigstens ist der GWUP-Vorsitzende Amardeo Sarma als kritische Stimme mit dabei.

Anschließend gibt’s eine Diskussion im Forum des Südwestrundfunks. Also: Sorgen wir doch dafür, dass

  • alle
  • in ganz Deutschland
  • jeden Alters

dort zum Ausdruck bringen, dass Homöopathie Humbug ist.

Zum Weiterlesen:

  • Ist die Homöopathie wirkungslos? Tagesanzeiger vom 26. August 2010
  • Die Sendung auf Video gibt’s hier.

COP15 Antirepression News

Verco/Weiss: Verdict next tuesday

(b4) (en) Today, in the trial against Natasha Verco and Noah Weiss went on with the statements of police witnesses, the reading of the trial documentation, and the final speeches of the prosecution and the defense. Shortly before 4 o’clock the judge interrupted the speech of the defense and announced to continue the trial as projected at tuesday the 31st in the morning. The only Topics are: End of the final speech of the defense and the verdict.

In her final speech the prosecutor claimed four months of prison and deportation for Natasha Verco as well as for Noah Weiss. In her opinion it was proved by the tabbed phonecalls, the police-witnesses and the statements of the accused, that Weiss and Verco organized many people to cause damages and to make violent actions against law and order and against the police, at the 14th of December last year. That those actions never happened, she found, was a proof that Noah Weiss was guilty, because he was arrested before the violent actions could be started. The explanations that the accused gave, she found, were all lies. Next week we will see, if the judges could follow her very detailed, but sometimes confusing speech, and if they share her interpretation of law.

(de) Heute ging die Verhandlung gegen Natasha Verco und Noah Weiss weiter mit den Aussagen von Polizeizeugen, der Verlesung der Prozessdokumentation und den Abschlussplädoyers. Kurz vor 4 Uhr unterbrach der Richter das Plädoyer der Verteidiger_innen und kündigte an, die Verhandlung wie geplant am Dienstag morgen, den 31. August fortzusetzen. Nun stehen noch 15 Minuten des Plädoyers der Verteidigung aus und das Urteil.

In ihrem Plädoyer forderte die Staatsanwältin 4 Monate Gefängnis und anschliessende Deportation sowohl für Natasha Verco als auch für Noah Weiss. Ihrer Meinung nach bewiesen die heimlich mitgeschnittenen Telefongespräche, die Polizeizeugen und die Aussagen der Angeklagten, dass die beiden am 14. Dezember letzten Jahres viele Menschen dazu angeleitet haben, Sachbeschädigungen zu begehen und Gewalt gegen die öffentliche Ordnung und die Polzei auszuüben. Dass diese Vorfälle niemals stattgefunden hatten, wertete sie als Beweis für die Schuld von Noah Weiss, da er rechtzeitig festgenommen worden sei, bevor die Gewalttaten ausgeführt werden hätten können. Die elklärungen der Angeklagten bezeichnete sie als Lügen. Nächste Woche werden wir sehen, ob die Richter_innen ihrem detaillierten, oft etwas Konfusen Plädoyer und ihrer Rechtsaujffassung folgen konnten.

COP15 Antirepression News

Verco/Weiss: Bericht über den 3. Prozesstag

(b4) eine Prozesstagebuchseite eines Beobachters und Mitbetroffenen

Mittlerweile haben sich bei den Prozessen gegen Klimaaktivist_innen Schemata herausgebildet, die sich regelmässig wiederholen. Zu Anfang eines jeden Prozesstages: Streit um den Gerichtssaal, weil bisher alle diese Prozesse in Gerichtssäle gelegt wurden, die 10 Zuschauer_innenplätze oder weniger haben. Dann, mit ordentlicher Verspätung und unter Ausschluss von regelmässig mehr als der Hälfte der Besucher_innen geht die Verhandlung los. Alle anderthalb Stunden gibt es eine Pause, und um die Mittagszeit gehen alle Mittagessen. Es ist auch möglich, dass sich Angeklagte_r und Richter_in auf dem Klo begegnen, aber wenn die Richter_innen den Gerichtssaal betreten, muss es still sein, und alle müssen sich von ihren Plätzen erheben. Nach dem Verfahren ist ein beliebtes Gesprächsthema die Non-Verbale Kommunikation von Richter_innen und Staatsanwältin. Beteiligte zurückliegender Prozesse berichten, dass dies ein sichereres Indiz für den Ausgang des Verfahrens sei, als die Stichhaltigkeit der Beweise und Argumente.

Heute traf es mich. 14 weitere Besucher_innen und ich wurden gleich zu Beginn aus dem Gerichssaal ausgeschlossen, weil er zu klein für uns alle sei. Der Umzug in einen grösseren wurde uns versagt. 10 Beuscher_innen durften bleiben, und zwar in folgender Reihenfolge: 1. Verwandte, 2. Journalist_innen, 3. Rest. Nach einer halben Stunde war ich allein im Vorraum des Gerichtssaals und hörte hin und wieder die Stimmen der von der Polizei abgehörten Telefongespräche, die dort abgespielt wurden.

“Warum”, fragte ich mich, “Warum kommt eigentlich niemand darauf, die Staatsanwältin zu fragen, wie sie die Überwachung des Privatlebens der Angeklagten über drei Monate hinweg rechtfertigen könne”. Ich habe zwar die Anklageschrift gehört, aber ich habe nicht verstanden, um welche Tatbestände es eigentlich ging. Ich habe so etwas verstanden wie: “Massenproteste organisiert, bei denen es gut und gerne zu Gewalttätigkeiten hätte kommen können”. Aber was ist daran ein Verbrechen? Das Recht, sich zu versammeln und Versammlungen zu organisieren ist sogar umgekehrt notwendig und in westlichen Verfassungen garantiert. Mit der Argumentation der Anwältin könnte jede_r demokratisch aktive Bewohner_in Dänemarks für eine lange Zeit abgehört und dann Details aus seinem/ihrem Privatleben gerichtsöffentlich gemacht werden…

“Und warum”, dachte ich, “warum fragt keine_r das Gericht nach einer Stellungnahme, wie es dazu kommt, heimlich mitgeschnittene Telefonate mit solch einer Begründung als Beweismittel zu akzeptieren? Ist denn in Dänemark niemand mehr vor der wilkürlichen Verletzung seines Privatlebens geschützt?”

Nach der ersten Pause überliess mir einer der anderen Besucher seinen Platz, und ich bekam etwas genauer mit, was genau “verhandelt” wurde. Die Staatsanwältin hatte offenbar alle Mitschnitte mitgebracht, die ihr Verdächtig vorkamen. Und es gab vieles, was der Anwältin verdächtig vorkam. Zum Beispiel war da die Rede von “gefährlichen Gegenständen” im “No-Borders-Cafe”. Letztendlich wurde aus den Fragen und aus der Verwunderung der Richter klar, das diese sich unter einem “Cafe” immer ein beschauliches Zimmer mit Bistrotischen, einheitlichen Stühlen und natürlich einer festen Küche vorstellten. Dass es sich bei einem neu eingerichteten “No-Borders-Cafe” der Klima-Aktivistinnen in einem ruinenartigen Industriekomplex im wesentlichen um einen leeren Raum handelte, in dem alles improvisiert war, und in dem von den Vorbereitungsarbeiten noch Werkzeug herumlag, das lag nicht nur fern ihrer Vorstellungskraft – es lag in einer anderen Welt.

Auch als es um die “Klima-Karavane” ging, offenbarte sich eine solche Kluft, aufgrund derer der Staatsanwältin und auch den Richter_innen die Verhältnisse sehr verdächtig vorgekommen sein müssen, unter denen die Klima-Aktivist_innen arbeiteten. Angesichts des englischen Begriffs “Klimate-Caravan” fragte der vorsitzende Richter sehr interessiert, ob es sich dabei um einen Wohnwagen handle! Natasha Verco musste dann erklären, dass es sich bei besagter Karavane um eine Art Rundreise von Menschen aus Ländern des Südens und Vertreter_innen von Indigenas mit dem Ziel Kopenhagen handelte, die auf den jeweiligen Stationen erklärten, dass auch sie ein Recht hätten, dass ihre Stimme gehört werde.

Die privateren “Verdachtsmomente” der Staatsanwältin möchte ich hier nicht ausbreiten. Sie waren allesamt unspektakulär. Aber Sie könenn sich jetzt vielleicht vorstellen, wie es sich anfühlt, wenn Sie unter der Androhung von Strafe jemandem ihr Privatleben oder ihre politische Arbeit so erklären sollen, dass er oder sie es sich so gut vorstellen kann, dass sich die Verdächtigungen allesamt “klären”, weil sie aufgrund der Andersartigkeit Ihres Lebens ausgelöst wurden. Es bleibt das komische Gefühl, dass Sie einem Menschen tiefe Einblicke in Ihr Privatleben gewährt haben, dem sie dies freiwillig niemals erzählen würden. Und dann sieht und hört auch noch die Öffentlichkeit dieser demütigenden Prozedur zu!

Dass das Vorgehen der Staatsanwältin nicht legitim war und dass solche “Beweismittel” und derartige “Anklagen” vor Gericht in einem Rechtsstaat nicht zugelassen werden dürfen, war bis vor kurzem in ganz Europa Common Sense. Anhand dieses Gerichtsverfahrens wird sichtbar, dass der Schutz der Bürger_innen vor derartigen Praktiken nicht nur ein abstraktes Recht ist, sondern dass es gute Gründe gibt, warum wir die staatlichen Institutionen nicht von der Achtung unserer Rechte entbinden dürfen.

(en) Verco/Weiss: Report about the 3rd day in trial

A page out of the court case log of an observer who was also affected by the COP15-trials

Meanwhile it seems to be possible to speak about repeting sceemes in regard of the trials against climate activists. At the beginning of each day in trial there is a conflict about the court-room, because so far, all trials have been placed in court rooms with less than ten places for the audience. Then, with a delay and under exclusion of continuously more than half of the visitors, the trial starts (well, in two cases, the judge allowed to move into a bigger court room). Every 90 minutes there is a break, and at noon everybody is having lunch-break. It’s possible, that the judge and the accused step into each other on the toilet, but when the judges enter the court-room, everybodz has to get up to show respect. In the end of the day people like to speculate about the non-verbal communication between judges and prosecutors. Participants usually say, that that is an indication for how the trial is going to end, which is far better than to look after the rationality of the proves and arguments brought op in the trial.

Today, it was me and 14 more visitors who were excluded from the court room, for the only reason that “this court room is to small for all of you”. To move in a bigger court room was not concidered. Ten visitors were allowed to stay, and these where the priorities: 1st relatives, then journalists, then the rest. After half an hour I was alone in the Foyer of the court room, and from time to time I heard the voices from the tabbed phoncalls, which were played in court.

“Why”, I asked b myself, “why…

classless Kulla

CD-Rezension: “Harmonie in den Keller!”

Da werden gleich beide CDs von uns besprochen:

>>Mitgröhlsongs und einfache Parolen sucht man hier vergeblich - stattdessen disharmonische, hochgejagte Anklagen gegen schleichende Renationalisierung, Mackertum, Revision und nationalchauvinistisches Normalitätsgetue und den sonstigen alltäglichen Würg. (…)

Muss jeder selbst wissen, ob er sich den Brocken zutraut.<<

Der digitale Flaneur: Antideutsche Textsplitterbomben

2MWW4N64EB9P

krisis

Krisis-Seminar

1. – 3. Oktober 2010 in der Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, 91472 Ipsheim

Identitäten und Ideologien in der Krise. Verarbeitungsformen und Tendenzen


Mit Referaten zu folgenden Themen:

- Von „gierigen Bankern“ und „faulen Griechen“. Ideologien in der Krise (Ernst Lohoff/ Norbert Trenkle, Nürnberg)
- Mit Calvin gegen die Krise. Erosion und Remoralisierung des Leistungsprinzips (Holger Schatz, Freiburg)
- Geschlecht in der Warengesellschaft: Eine Einführung in den Feminismus (Patrick Michaelis, Göttingen)
- HomOrientalismus: Europa und die Heteronormalisierung der islamischen Welt (Georg Klauda, Berlin)
- Finale des Universalismus: Der Islamismus als Krisenideologie der gescheiterten Modernisierung (Karl-Heinz Lewed, Nürnberg)

Das Seminar wird in Kooperation mit Arbeit und Leben – Thüringen durchgeführt. Eine Förderung durch die Bundeszentrale für politische Bildung wurde beantragt.

Organisatorisches:

Das Seminar beginnt am Freitag den 1. Oktober um 16.30 Uhr mit einer kurzen Einführung in das Thema und einer Vorstellungsrunde. Nach dem Abendessen findet ab 19 Uhr das erste Referat statt. Ende des Seminars ist am Sonntag den 3. Oktober um 15 Uhr.

Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung betragen 45 € (Dreibett- oder Vierbettzimmer), 65 € (Doppelzimmer) und 75 € (Einzelzimmer). Ermäßigter Beitrag 25 €. Um schnelle Anmeldung wird gebeten, da die Anzahl der Plätze begrenzt ist. Einzel- und Doppelzimmer stehen nur begrenzt zur Verfügung.

Die Adresse des Tagungshauses: Jugendbildungsstätte Burg Hoheneck, 91472 Ipsheim (zwischen Nürnberg und Würzburg gelegen), Telefon: 09846-9717-0

Anfahrt für Autoreisende: Von Würzburg kommend, Autobahn A3, Ausfahrt Bad Windsheim, Richtung Neustadt/Aisch bis Ipsheim fahren. Dort den Schildern zur Burg Hoheneck folgen.

Bahnreisende: Bis Neustadt/Aisch, dort umsteigen in die Bahn Richtung Steinach (oder bis Steinach und dort umsteigen in Richtung Neustadt/Aisch), aussteigen in Ipsheim. Bis zur Burg sind es ca. 3 km zu Fuß (ausgeschilderter Wanderweg), es wird aber auch ein Abholdienst organisiert.

————————————————————————————–
Anmeldung zum Seminar „Identitäten und Ideologien in der Krise“

An krisisweb@yahoo.de oder Förderverein Krisis e.V., Postfach 81 02 69, 90247 Nürnberg
Ich möchte mich zum Seminar Identitäten und Ideologien in der Krise vom 1. – 3.10.2010 anmelden. Die Kosten für Unterbringung und Verpflegung überweise ich bis spätestens zwei Wochen vor dem Seminar auf das Konto des Förderverein Krisis 300114-859, Postbank Nbg. BLZ 760 100 85.

Ich möchte im Dreibettzimmer/Zweibettzimmer/Einzelzimmer übernachten (Bitte unterstreichen).

Name: ……………………………………………… Unterschrift:

Adresse: ………………………………………………………………………………………………………………………

gwup | die skeptiker

Vitamine und andere Wundermittel

Zugegeben: Vitamin C hat schon einmal eine entscheidende Rolle bei einer Verschwörung gespielt – an der womöglich nicht nur das Schicksal beteiligt war.
Wir reden vom Jahr 1954, genauer gesagt dem WM-Finale. Als die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sensationell gegen den haushohen Favoriten Ungarn obsiegte. Gleichwohl es in der Vorrunde gegen denselben Gegner eine 3:8-Niederlage gesetzt hatte.

Wie war diese unglaubliche Leistungssteigerung möglich? Konnte das noch mit rechten Dingen zugegangen sein?

Wer weiß. Und wenn die Fußball-Gemeinde erst mal eine Verschwörung wittert, macht sie vor nichts mehr Halt. Entscheidende Tore, Medienberichte, schlechte Schiris – fast jedes Spiel liefert mehr als genug Material für Leute, die überall Strippenzieher und Betrüger sehen. Umso mehr das sagenumwobene „Wunder von Bern“.
Doping, raunte vor ein paar Jahren ein TV-Magazin. Und wirklich: In der Halbzeitpause des Endspiels wurden Helmut Rahn, Fritz Walter und Kollegen Spritzen gesetzt. Nur Vitamin C, beteuerte der damalige Mannschaftsarzt Professor Franz Loogen. Sonst nichts.

Sonst nichts? Was soll das denn heißen?

Während die meisten Mediziner und Wissenschaftler schon froh wären, wenn ihnen der Nachweis gelänge, dass Vitaminpräparate schwere Erkrankungen wie Herzinfarkte oder Krebs wenigstens um ein paar Jahre aufschieben können, gibt es einen, der solchen Produkten fast magische Wirkung zuschreibt. Inklusive eines Marketingkonzepts mit integrierter Böse-Mächte-Verschwörungstheorie.

Grund genug also für die Skeptiker, sich auch mit dem Thema “Nahrungsergänzungsmittel” zu beschäftigten. Dazu gibt’s einen neuen Themeneintrag von Lebensmittelchemiker und GWUP-Vorstandsmitglied Dr. Jochen Bergmann und Skeptiker-Chefredakteurin Inge Hüsgen.

Auch Stephen Barrett und Victor Herbert von der amerikanischen Verbraucherschutzorganisation Quackwatch haben sich mit den unseriösen Geschäftspraktiken einiger Anbieter von Nahrungsergänzungsmitteln und Vitaminen beschäftigt. Ihre Zusammenstellung finden Sie hier. Ein Auszug daraus:

1. Sie empfehlen ausnahmslos jedem, die Ernährung mit Nahrungsergänzungsmitteln “abzusichern”.

Die meisten Wundermittelverkäufer reden uns ein, dass Vitaminmangel allgemein verbreitet ist und deshalb zur Sicherheit Ergänzungsprodukte eingenommen werden sollten. Manche behaupten, dass es schwierig oder sogar unmöglich sei, den Vitaminbedarf allein über die Nahrung zu decken. Ihre Argumentation könnte man – auf ein anschauliches Beispiel übertragen – so zusammenfassen: „Ihr voll funktionsfähiger Ofen kann jederzeit explodieren, und deshalb sollten Sie ihn unbedingt durch ein neues Produkt ersetzen.” Quacksalber werden niemals sagen, wer ihre Produkte nicht braucht.”

Zum Weiterlesen:

  • Bernd Harder: Elvis lebt - Lexikon der unterdrückten Wahrheiten. Herder-Verlag, Freiburg 2010

atheistcartoons.com

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classless Kulla

Neues von der Bewegung der Intellektuellen (JL-Fraktion)

Gastbeitrag von J. Vingtras

Nachdem mich der Berliner „Club für sich“ in einer Veranstaltungseinladung informiert zu haben glaubte, bei den Jungen Linken handle es sich um „einen niedergegangenen Verein“, der an „gewissen Einseitigkeiten“ kranke, versuchte ich eine Probe aufs Exempel und besuchte mit einigen befreundeten Bekannten das Sommercamp.

Der angebliche Niedergang dieser Vereinigung radikaler Intellektueller kann sich nicht auf deren Mobilisierungsfähigkeit beziehen, als deutlich mehr als 100 Teilnehmerinnen kamen, um einige Tage die jeweils private Existenz mit einem kollektiven Campalltag zu vertauschen und in zahlreichen Workshops sowie bei Musik, Feuerschein und Alkohol über allerlei politische Fragen zu disputieren.

Mit Einseitigkeit kann nicht die Wahl der Themen gemeint sein, da diese so ziemlich die Totalität der gegenwärtigen menschlichen Beziehungen abdeckten: Einführung in die Kritik der politischen Ökonomie, Staatskritik, Homosexualität, Kritik der Reproduktionssphäre, Familie und Monogamie, männlich-bürgerliche Subjektkonstitution, Bioethik, Sozialhygiene am Beispiel Rauchverbot, Biologismus, Freud, Imperialismus, Antizionismus, Zionismus, Ausländerpolitik, Staatsverschuldung, Rußlands Rohstoffe, sexuelle Gewalt, internationale Arbeitsmigration am Beispiel der Schiffahrt, die Geschichte der kommunistischen Bewegung in einigen Aspekten (Rätebewegung, Revisionismus des Parteiprogramms der KPDSU von 1961, Rote Khmer, Arbeiterselbstverwaltung, K-Gruppen, Studentenbewegung, Situationisten), konkrete Fragen der Aneignung und Umbildung des Produktionsprozesses, allgemeine Utopien, Fußball, Fragen der Ernährung, Fragen der Agitation und Propaganda, Verhältnis von Theorie (Adorno) und Praxis (Dutschke, Krahl), Emos, Gentrifizierung, Konsumkritik, Griechenland u.s.f. Dazu sogar Workshops zu sonst abgespalteten oder ignorierten Kulturthemen mit Titeln wie „Hüdelditüdeldie-tweng! Tirelit – Ist die neue Musik politisch?“, „Faust-Kritik“ oder „Männerphantasien und Bürgerängste in ‚Fight Club’“ – und eine stark gekürzte und bearbeitete Faustinszenierung. In Wirklichkeit gab sogar noch mehr und teilweise sehr gutes. Einige der Referentinnen haben dabei dem Andenken von Alexei Grigorjewitsch Stachanow alle Ehre erwiesen, indem sie alleine bis zu sieben von diesen Workshops anboten.

Ich will nicht weiter mit Schilderungen der Wandervogel-Atmosphäre langweilen – es waren sogar sozialistische Falken da – und schon gar nicht mit politischen Inhalten, man findet den Krams im Zweifel alles im Netz. Jedenfalls war diese Weise der kollektiven Diskussion recht angenehm und die Idee, radikale Menschen zwischen 16 und 40+ zusammenzubringen, scheint offensichtlich ein Bedürfnis anzusprechen. Stattdessen einige subjektive Berichte, die einen kleinen Eindruck vermitteln, wenn auch diese Form der oral history natürlich ihre subjektiven Grillen hat.

Josef: Wird Lehrer, ist aber im Prinzip für eine neue Offensivstrategie.

Unter den Campteilnehmern war auch C., ein Seemann. Er sollte laut Seminarprogramm einen workshop mit dem Titel „Arbeit auf See“ halten. Ich freute mich darauf außerordentlich, da ich mir von einem, der, wie ich im Gespräch erfahren hatte, als nautischer Offizier auf großen Containerschiffen die Weltmeere befahren hat und der noch dazu ein kommunistischer Genosse ist, sehr aufschlussreiche Berichte über einen mir völlig unbekannten Bereich der Arbeitswelt erhoffte. Als er jedoch auf dem Plenum seinen workshop vorstellen sollte, zeigte sich, dass der Titel auf einem Missverständnis beruhte: In Wirklichkeit, so C., ginge es ihm um so etwas wie „die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Arbeitsmigration am Beispiel der Philippinen am Beispiel der Schifffahrtsbranche“.

Aus einer Veranstaltung, die ihren Reiz u. a. daraus bezogen hätte, daß dort individuelle Erfahrungen zur Sprache gekommen wären, über die auf dem Camp nur dieses eine Individuum verfügte, war so eine Veranstaltung geworden, die mit etwas Recherche jeder andere Campteilnehmer genauso hätte bestreiten können. Es scheint, als würde hier wie im offiziellen Wissenschaftsbetrieb die persönliche Erfahrung auf einen zufälligen Anlass reduziert, sich mit einem Thema zu beschäftigen; die „Bestimmung“ des „Gegenstands“ erfolgt dann streng objektiv mithilfe von statistischen Daten und kapitallogischen Überlegungen. Die Sache selbst wird dabei zusätzlich entwertet, indem sie von vornherein als austauschbares Beispiel eines Beispiels eingeführt wird, welches nur herangezogen wird, um die eigentlich interessanten allgemeinen Verhältnisse zu verdeutlichen.

Es zeigt sich wieder einmal die trotz erkennbaren Öffnungstendenzen immer noch vorhandene rationalistische Einseitigkeit der Jungen Linken, deren Ideal eines kommunistischen Kaders implizit verlangt, sich zum Zweck der Agitation zum Argumentenbehälter zu modeln und die eigene Subjektivität durchzustreichen. – Leider konnte ich dann den Workshop nicht besuchen, da ich zur gleichen Zeit eine eigene Diskussionsrunde leitete, so daß ich nicht weiß, ob die Veranstaltung vielleicht doch erfahrungsgesättigter und besser war, als es die Ankündigung erwarten ließ.

An einer anderen Stelle erwies sich die rationalistische Herangehensweise dagegen wiederum als durchaus positiv: Bei einem Workshop über sexuelle Gewalt warf die Referentin die Frage auf, warum Vergehen gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Spätkapitalismus als DAS Kapitalverbrechen schlechthin angesehen werden. Dies sei, wie sie mit viel historischer Sachkenntnis aufzeigte, keinesfalls immer so gewesen und müsse folglich auch nicht für alle Zukunft so sein. Ich möchte hier die Erkenntnisse und Überlegungen der Diskussion nicht im Einzelnen ausführen, bemerkenswert scheint mir aber, daß dort eine sehr sachliche, ruhige und produktive Debatte möglich war, was angesichts von Themen wie Vergewaltigung und Kindesmißbrauch, bei denen erfahrungsgemäß die Gemüter hochkochen, nur sehr selten gelingt.

Gustav: Engagiert sich seit einigen Jahren im Berliner „Club für sich“

Atmosphäre war recht offen für Externe, deren Workshops zu den am besten besuchten zählten. Auch fielen mir hier keine abgesprochenen Manöver von Jungen Linken auf, die die externen Positionen wegdiskutieren oder ihrer internen Widersprüche überführen wollten. Also insgesamt irgendwie freundlicher als wir es mitunter im Club für sich sind, aber vielleicht auch etwas gleichgültiger den Bildungsinhalten gegenüber. Möglicherweise ist diese relative Offenheit aber auch ein Effekt der Ausnahmesituation, die von den Organisatoren geschaffen wurde: 7 Tage, zwei Workshops à 3-4 h am Tag, kaum vor vier ins Bett, Trinken, Diskutieren ohne “Privatsphäre”.

An machen Stellen hatte ich den Eindruck, auf eine gewisse Unvorsichtigkeit gegenüber einer praktischen Übernahme der autoritären willentlichen Gleichschaltung der Gesellschaft zu treffen. Ein bißchen beim Essen, weil ich es nicht verstehe, warum alle stets vegan aßen, wenn doch nur ein paar Veganer unter den Teilnehmern waren. Abgesehen von Käse gab’s ja keine Milchprodukte, die ja schon eher zu den Grundnahrungsmitteln gehören. Dann hatte eine Raucherin aus den Reihen der JL es für geboten gehalten, bei einem Workshop unter einem Sonnendach zuvor zu klären, ob es okay sei, daß sie am Tisch rauche. Etwas, was man ja wirklich erst seit dem Rauchverbot macht. Und beim Büffet fand ich Schilder, die mich darauf hinwiesen, die Löffel nicht aus ihren (Nutella oder Marmelade) Behältern zu nehmen, wegen “Lebensmittelallergie”.

Für eine Situation wie dort beim Zelten, wo alles ein bißchen durcheinandergeht, finde ich eine solch allgemeine Warnung vor einer “Allergie” etwas sinnentleert, ebenso wie die zahlreichen Warnschilder, die es sonst so gibt (nicht bei Rot über die Ampel gehen, nicht rauchen …). Es tut mir keinen Abbruch, auf jemanden Rücksicht zunehmen, aber das ist einfacher - und verständlicher - wenn man weiß, worum es geht (ums Nutella wegen der Nüsse? um Milch? Weizen?). Falls es überhaupt eine Rolle spielt, wie sich 150 beim Büffet verhalten, weil die eine oder der andere mit Allergie eh nicht davon ausgeht, daß alle sich daran halten und daher stets eigenes Besteck verwendet.

Nach der langen Party am Samstag gab’s am Sonntagabend passend etwas Unterhaltsames. Gemeinsames Anschauen eine Action-Films (natürlich mit Kritik) oder die Lektüre eines deutschen Klassikers. Goethes Faust war Neuland für denjenigen, der zu diesem Workshop geladen hatte, und es zeugt von Aufrichtigkeit, daß er dies keineswegs zu verbergen suchte. Es ging letztlich nicht so sehr um den Faust, als vielmehr um Sinnsuche als bloß esoterische und bürgerliche bzw. um das Verständnis von Idealismus oder einer gewissen philosophischen Neugier. Faust wurde zuvorderst dafür kritisiert, daß er wissen will, “was die Welt im Innersten zusammenhält”, als daß solches Wissen, wenn er es finden würde, rein kontemplativ bleiben würde. Die Frage nach dem Sinn, selbst dann, wenn sie zur Erkenntnis des Unsinns der eingerichteten Welt führt, wurde auch andernorts auf dem Camp als idealistisch, bürgerlich und esoterisch abgetan.

Die Frage, was die Welt zusammenhält, obwohl sie doch vernünftigerweise augenblicklich auseinanderfallen müßte, steht am Anfang der Philosophie, ebenso wie an einem wichtigen Entwicklungsschritt vieler Teilnehmer des Camps. Wenn verdrängt wird, daß der Materialismus den Idealismus nicht nur abgelehnt, sondern auch aufgehoben hat, dann scheinen hier die idealistischen Phasen und Tendenzen der eigenen Biografien verdrängt zu werden. Angesichts zweier wiederkehrender Eindrücke scheint es hierfür auch Gründe zu geben:

1.) ist die Agitation, wie sie auf dem Camp betrieben wurde, noch eine rein idealistische, sich über die Ideen verbreitende, die davon ausgeht, daß es die Ideen sind, die die Welt verändern werden oder zumindest die Menschen, die irgendwann mal die Welt verändern sollen. Daß es darum geht, die Menschen aufzuklären über das, was das Kapital ist, wird leider als selbstverständlich dargestellt und nicht als eine der wenigen Aktionsformen, auf die sich kritische Geister derzeit aus Ohnmacht reduziert sehen. Zwar wurde mitunter der Idealismus der eigenen Praxis offen eingestanden, aber leider recht wenig in Frage gestellt. Wenn man das getan und die Gründe dafür entwickelt hätte, hätte man vielleicht auch anders über philosophischen Idealismus gesprochen.

2.)  In einigen Diskussionen geisterte die Idee von der Freiheit des Willens und der Entscheidungen herum, welche offensichtlich in der Argumentation, die sehr auf Rationalität baut, eine wichtige Rolle spielt. Aber auch hier schien der sonst so kritisierte Idealismus ein wenig unhinterfragt, sind doch die meisten Willen, die sich in Menschen regen nicht frei und die wenigsten werden den Menschen wirklich bewußt. Und nur wenn die körperlichen Regungen oder sonstigen Willen einem Menschen bewußt und Gegenstand von Reflexion werden, kann dieser Mensch beginnen, sich die Konsequenzen auszumalen, abzuwägen und vielleicht zu etwas gelangen, was man idealistisch eine freie Entscheidung nennen könnte. Die eigene Biografie gibt rückblickend ja beredte Auskunft über das Verhältnis von Freiheit und Unbewußtem.

Das Auftauchen dieser Fragen auf dem Camp wie auch das Aufscheinen der inneren Widersprüche an diesen Punkten lassen vermuten, dass hier unter den Teilnehmern des Camps etwas rumort. Die Tatsache jedenfalls, dass die Organisatoren durch die Form des Camps, allseitigen Diskutierens, Trinkens, Schlafmangels und ungeordnetem Tagesablaufs eine Situation geschaffen haben, die für die Teilnehmer außergewöhnlich und vielleicht auch ihrer geistigen Offenheit wohltuend ist, zeigt bereits, daß man sich nicht allein aufs Argumentieren verlassen will, sondern auch den Boden zu bereiten weiß, der notwendig ist, damit sich Menschen überhaupt auf Ideen einlassen können.

Denn hieran war das Camp sehr reich und gab vielen jungen Menschen die Gelegenheit, sie durch Workshops in Vortrag und Diskussion eigener Ideen auszuprobieren. Durch die Form der kontemplativen Kritik in Workshops, die nicht unmittelbar in Praxis umschlagen müssen, konnten zahllose Bereiche der Gegenwart in Frage gestellt werden. Dies ging von veganem Ernährertum, über den falschen Schein der privaten Freiheit, über Männerphantasien, Sterbehilfe, Behindertenpolitik, Schulzwang, Nichtrauchen, Sexismus bis hin zur wissenschaftlichen Biologie. Dabei war ebenso die Geschichte der kommunistischen Bewegung von der Februarrevolution 1917 über die Achtundsechziger, die Situationisten, die KPDSU, Pol Pot, die Antideutschen bis zu den K-Gruppen vertreten und schließlich wurde sogar einigen utopischen Vorstellungen Raum gewährt. Und bei alldem stand stets im Hintergrund, daß es das Eigentum und das Kapital sind, die all dieses zusammenhalten und auf einen Streich, ohne Übergangsstaat, abgeschafft werden müssen.

Puk: Stiller Zeitgenosse, der manchmal für jemanden gehalten wird, der Shakespeare und Kafka liest.

Gustavs und Josefs Einschätzungen zustimmend, fällt mir nicht viel Neues ein. Neben ‘Faust’ scheint mir ‘Fight Club’ erwähnenswert - weil da offenbar die lebenslustige Paeris-Abspaltung mindestens so allergisch auf alles reagiert, was nicht in Traktatform daher kommt. Der Unterschied ist, daß diese Fraktion immerhin schaudernd ihre Faszination eingesteht; dann aber umso schneller das als faschistisch wegschiebt, was sie fasziniert… (und sich nebenbei nicht darum kümmert, dass ein Film nicht alles so meinen muß, wie er es zeigt).

Aber auch das - wie immerhin der kurze Protest, der Seefahrer solle doch auch etwas über das Seefahren erzählen - scheint mir anzuzeigen, daß es, wie Gustav meint, rumort. Ansonsten traf man aber auch einigermaßen viel Schule an. Das mag in einigen Fällen (Jugoslawien-Workshop) immerhin noch inhaltlich gerechtfertigt sein (dort aber mit unerträglichen Lehrer-witzen vermengt), in anderen (Sozialstaat) fällt offenbar gar nicht auf, daß man etliche Leute bei der Hand hätte, die einem so manches über den Sozialstaat erzählen könnten (und dann käme man vermutlich nicht auf die Idee, sich mit - im Endeffekt - langweiligen Sarrazin-Äußerungen zu beschäftigen).

Etwas über den Männlichkeits-Workshop könnte man auch erwähnen - aber da weißt du besser bescheid, Karl, weil du dort warst. Insbesondere die Auseinandersetzung mit dem “männlichen” Zur-Schau-Stellen seiner Bildung (a.k.a. Theoriemackertum) ist aber ja auch in anderen Zusammenhängen auf dem Camp immer wieder zur Sprache gekommen.

Soweit. Puk.

P.S.: Karl, vielleicht solltest du auch etwas über H––––s Augen schreiben…

Karl: Gab zuletzt ein Magazin zur Selbstverständigung einiger kommunistischer Individuen heraus.

Bemerkenswert war das Männerplenum. Als ich ankam, berichtete ein junger Mann von Sprüchen gegen Schwule und Frauen auf dem Camp. Daher solle ein Männerplenum einberufen werden. Ich baute mein Zelt auf und platzte danach in einen Stuhlkreis von Männern, die sich ad hominem über das Geschlechterverhältnis innerhalb der Sphäre der Theorie (Stichwort Meisterschwätzer, Theoriemacker) unterhielten. Es war tatsächlich etwas wie bei den Autonomen, nur unter Intellektuellen. Klingt dumm, war aber eigentlich ok.

Es gab ein Thesenpapier, aber die Debatte hatte kaum einen Faden. Unter anderem erinnere ich mich daran, daß eine vorherrschende, schlechte Form der Theorie kritisiert wurde, der es neben der hähren Wahrheitsfindung auch um Verdrängung der eigenen Ängste ginge, indem sie immer wieder allen Ambivalenzen ihrer Gegenstände ausweiche und das chaotische Material über Gebühr ordne.

Ferner ging es um Gehirnwäsche in Theoriegruppen. Klingt wie ein Witz, aber so war es. Dabei war aber gar nicht nur an die Weise von Scientology gedacht, mit ihren Mitgliedern umzugehen, sondern auch an den Vorgang im Hirn und Körper eines jungen Menschen, der eben noch irgendein Bürger mit diesen oder jenen Reflexionen war und dem plötzlich – von den Kommunisten angestoßen – die alte Welt vollständig abhanden kommt, ohne das sich auch nur die Umrisse einer neuen Welt abzeichnen würden. Es schien dies tatsächlich die Wahrnehmung einiger jüngerer Genossen zu sein und kein leeres Geschwätz. Ich habe die beiden Punkte hier in meiner Sprache wiedergegeben, aber es spiegelt grob einige Redebeiträge, die an sich auch nicht klarer waren. Der Freimaurerorden Ingolstädter Prägung hatte in diesem Männerplenum ein kleines Korrektiv geboren. Ansonsten stand alles unter dem beinahe sokratischem Wahlspruch: „Prüfe das Argument“ und obwohl ich natürlich neugierig auf Gehirnwäscheexperimente war, habe ich so etwas nicht verspürt, es sei denn man zählt die Pädagogik oder die Wirkung schöner Augen darunter. Zu meinem Leidwesen wurden weder mir vulgäre Witze mit Frauen oder Homosexuellen erzählt, noch der Freudianerin, die ich darauf ansprach und die neugierig auf die sich in solchen Witzen äußernde Triebstruktur war.

Dann ist mir ein kollektiver Wille aufgefallen, die eigenen Ideen nicht nur weiterzudenken, sondern auch zu verbreiten, daß sie auch ihren Weg in die Praxis finden. Es wurde über Agitation gestritten und eine Diskussion über Arbeit versuchte sehr detailliert zu klären, wie man eigentlich die subjektiv für richtig erachtete und in theoretischer Form auch schlüssig dargelegte Kritik der Arbeit konkret an die Frau oder den Mann bringen könne, welches die erwartbarsten Widerstände und Ausflüchte sind, wie man ihnen begegne… Immer wieder schlug dabei die zunächst negative Kritik an allen momentanen menschlichen Verkehrsformen in Fragen danach um, was „wir“ eigentlich mit der Welt wollen.

Ah, und dann waren alle Pavillons, Räume, Zelte nach Anarchistinnen und auch einigen Anarchisten benannt.

Gretchen: Beobachtet das politische Geschehen eher mit Skepsis

Von mir nur ein paar schnelle Anmerkung zur kritischen Faust-Inszenierung: Zwar habe ich den Workshop zur ‘Faust-Kritik’ (siehe: Bericht von Gustav) nicht besucht, habe aber die kritische Faust-Aufführung am Freitagabend gesehen.

Die Idee, mit einer Theateraufführung den ‘Camp-Alltag’ aufzulockern, fand ich ziemlich gut und erwartete einigermaßen vorfreudig die 15min-Aufführung am Freitagabend. Das Spiel selbst offenbarte zwischendurch tatsächlich mehr Lustiges, Selbstironisches und Selbstkritisches als die inhaltliche Message, die am Ende sehr bescheiden und ernüchternd im Raum stehen sollte und im Workshop dann offensichtlich dargestellt und diskutiert wurde: Vertrödle deine Zeit nicht wie der alte idealistische Faust mit irgendwelchen Sinnfragen und -suchen! Experimente und Exzesse laß lieber bleiben! Alle Gretchen, die Leidenschaft und Tragik versprechen könnten, streiche vorsichtshalber komplett aus deiner Inszenierung!

Das Schauspiel wird von drei Erzengeln im Himmel eröffnet, es folgt die bekannte Wette zwischen Gott (mit grüner Gießkanne ausgestattet) und Mephistopheles um Fausts Seele. Nach kurzem Bühnenumbau sehen wir in der nächsten Szene Fausts Gelehrtentragödie, in der er grübelnd in seinem Studierzimmer auf und ab geht und die Frage nach dem Zusammenhalt der Welt stellt. Dank der mimischen Begabung des Faustdarstellers sind an dieser Stelle mehrere selbstironische Verweise und Lacher sicher.

Mit dem zweiten Auftritt von Mephistopheles als Agitator (der Jungen Linken) verläßt die Aufführung Goethes Theaterstück und Goethes Sprache. Der abgeklärte Mephistopheles versucht Faust in ‘Junger-Linken-Sprache’ seine Sinnsuchen als rein bürgerlichen und esoterischen Unfug auszureden. Was dann noch übrigbleibt zeigt er Faust am Ende der Aufführung: ab und an mal konkret ein Bier trinken, ‘ne Kippe rauchen und ein Kuß, aber bitte ohne Bedeutung. Anleitung zum nicht-dramatischen Leben!

Aber: Die Erziehungsmaßnahmen Mephistopheles’ fruchten bei Faust nicht so richtig. Faust ist nicht lernfähig/will nicht lernfähig sein und begehrt am Schluß gegen seinen Lehrmeister auf: Der vom Publikum mit Spannung erwartete und dann doch sehr trocken ausfallende Kuß zwischen Faust und Mephistopheles veranlaßt den hoffnungslosen Idealisten Faust sofort zu einer romantischen und sinngeladenen Gegenaktion: einer Liebeserklärung an Mephisto. Agitation fehlgeschlagen!

Bis bald mit schönen Grüßen

Gretchen

xkcd.com

I Don't Want Directions

Yes, I understand that the turn is half a mile past the big field, but my GPS knows that, too.  This would be easier if you weren't about to ask me to repeat it all back to you.

Streifzüge

Die „Konsumismusglocke“

Streifzüge 49 / 2010

von Lorenz Glatz

„Die Konsumismusglocke hängt über dem ganzen Land“, sagt die Dramatikerin Milena Markovic, um die mentale Misere ihres krisengeschüttelten Herkunftslandes zu charakterisieren (Der Standard, 26.5.10). Vielleicht ist der Konsumismus in Serbien deshalb so deutlich erkennbar, weil es den meisten Leuten schon beträchtlich schwerer fällt als hierzulande, mit seinen Ansprüchen, die zu ihren eigenen geworden sind, zurechtzukommen. Für das Phänomen freilich ist Serbien ein Standort wie jeder andere.

Konsum besteht in einer kapitalistischen Gesellschaft (bekanntlich?) nicht einfach darin, dass Menschen Güter und Dienstleistungen für ihre Zwecke und Notwendigkeiten verbrauchen. Zum Konsum gelangt eins über den Kauf von Ware und Dienstleistung, und es ist dieser Kauf, nicht die Befriedigung qua Konsum, der die Verwertung von investiertem Kapital krönt und die Warenwelt am Laufen hält. In einer entwickelten Arbeitsgesellschaft mit dem Lebensrhythmus von Geldverdienen und Geldausgeben muss daher im Schlepptau der Kapitalvermehrung auch der Konsum stets weiter wachsen.

Beim Menschen setzt sich das um als Sucht. Und daher gibt es so wie den Morphinismus auch den Konsumismus. Anders als jener wird dieser aber meist nur dann als krank oder kriminell bezeichnet, wenn der Stoff zwar immer weiter bezogen wird, aber mangels Kaufkraft nicht bezahlt werden kann. Allerdings hat sich dafür seit den Siebzigerjahren im Übergang zu einer globalen Schulden- und Defizitwirtschaft eine temporäre, gesetzeskonforme Lösung für Dealer und Kunden gefunden. In letzter Zeit aber „krachen“ auch in den Metropolen nicht nur Banken und Börsen, sondern auch süchtige Kunden.

Die Sucht des Konsumismus ist ein tief gestaffeltes gesellschaftliches Konstrukt, das als Krankheit auch deshalb nur schwer erkennbar ist, weil es kaum Gesunde gibt. (Und wenn, dann gelten die ziemlich sicher als arm, faul, Loser, zumindest als schrullig.) „Wenn ich schlecht drauf bin, geh’ ich mir was kaufen“ (steht in keiner Zeitung), sagt eine Freundin. Aber anders als bei Alkohol, Heroin und dergleichen ist der Stoff sehr unspezifisch, den eins sich da reinzieht. Irgendwas eignet sich irgendwie bei irgendwem fast immer dazu, dass es flasht und eins für den Moment besser dasteht, vor allem besser als die Nachbarin, der Kollege, die Freundin oder sonst ein Konkurrent.

Idealerweise (und spiegelgleich mit dem Gelingen von Verwertung) ist der Kauf selber schon der Rausch – und vergeht im Handumdrehen nach dem „Schuss“. Denn eine Gesellschaft des Massenkonsums muss sich drauf verlassen können, dass eins bald wieder „schlecht drauf“ ist. Weil das Investieren, Arbeiten, Kaufen und Verbrauchen sonst schwerlich weitergehen kann, ist die in unseren Seelen endemische Unbefriedigtheit, Hektik und Gier so systemkonform wie unverzichtbar.

Freilich nur, solange wir dabei fit im Jobben und Shoppen bleiben. Genau hier aber entwickelt sich die Störung seit Jahren schwunghaft, wie Gesundheitsexperten und Soziologen untersucht, in ihren Studien und Statistiken in Millionenkosten umgerechnet und damit das Phänomen in den Rang einer Wahrheit erhoben haben: Bei langem Gebrauch und permanent wachsender Dosis kippt die produktive Haltung zunehmend in Depression auf dem einen, in Amok auf dem andern Ende um. (Man sehe sich im Netz bloß unter den properen Begriffen um!)

Soweit, wenn die Geschäfte einigermaßen und geregelt gehen, sowie die Staatsgewalt intakt ist. Wo diese Bedingungen schwinden, tut dies die „Glocke“ keineswegs. Entschlossenheit und Verzweiflung nehmen neue Formen an, und erst recht die Gewalt. Und alle drei werden durchaus produktiv. Selbst für den Zugang zu einem gehetzten Sklavendasein in den Metropolen zahlen Menschen auf dem Trikont ein Vermögen, oft in der Aussicht im Meer abzusaufen, aber immer in der Hoffnung auf einen Zipfel glitzernden Prestige-Konsums für sich und die Ihren. Und die blanke Gewalt einer Bande mit Kalaschnikows taugt vielerorts als Besitzurkunde, als verflüssigtes Arbeitsrecht, als Zugang zu Quellen barer Zahlung und vor allem: zum Potenz-Konsum der Metropolen. Wer in diesem Ambiente rausfällt und nicht mitkann, hat oft nicht einmal die Zeit, mit seiner Depression zu leben.

Der Konsumismus wird jedoch nicht bloß von Krise und Erschöpfung der Verwertung und der menschlichen Unzulänglichkeit für diese metaphysische Herausforderung bedroht. Er hat nämlich schlicht nicht Platz auf unserer Welt. Auf dem Niveau der reichen Staaten brauchte er derzeit – auf alle Länder wunschgemäß verallgemeinert, wie es das „Glücksversprechen“ des Marktes als „Entwicklung“ stets verheißt – vier bis sechs Planeten Erde, um zu bestehen, ganz zu schweigen davon, dass er, um sich zu erhalten, immer weiter wachsen muss. Trotz allem Hunger und Mangel auf der Welt reicht der Stern schon heute nicht, wird von Tag zu Tag stückweis erschöpft, verdreckt und auch klimatisch aus einem Gleichgewicht gebracht, das menschliches Leben erst ermöglicht. Großteils absehbar unwiederbringlich.

Und doch: Bei allem Wissen um die drohende Gefahr spürt es sich selbst für kritische Menschen noch immer wie Reichtum und Wohlstand an, wenn man einigermaßen erfolgreich teilhat bei diesem destruktiven und zunehmend schärferen Treiben. Und wie Unfähigkeit und Niederlage, wenn man dabei abgehängt, an den Rand gestoßen, ausgeschlossen wird. Schließlich war es nicht nur im Kapitalismus, sondern vermutlich seit Anbeginn von Herrschaft überhaupt stets die stillschweigende Voraussetzung, dass die Perlen echt sind, um die es geht im sozialen Kampf. Was tun, wenn sie sich als Fälschung, ja Gift zu entpuppen scheinen und doch das Einzige sind, was zählt, was eins sich wirklich vorstellen kann und was immer schwerer zu bekommen ist. – „In der Gesellschaft herrschen Frustration und Konfusion“, wie Frau Markovic feststellt (a.a.O.). Auch das gilt so ziemlich überall und morgen mehr als heute.

Die Gefahr ist groß, dass „Für uns reicht’s schon noch!“ die Losung des Gemetzels in der Katastrophe wird. Für eine menschenfreundliche Lösung braucht es einen tiefen Bruch. Weg mit der Illusion dass sich dazu auf den tief eingegrabenen Fundamenten der Herrschaft noch was bauen lässt. Und vor allem (Ver-)Suche eines angemesseneren Umgangs der Menschheit mit sich selbst und ihrer Mitwelt. Jetzt!

Post from: Streifzüge. Bei Gefallen: Lösegeld

Die „Konsumismusglocke“

COP15 Antirepression News

Trial against the State so far / Der bisherige Prozess gegen den Staat

An Indymedia article contains a German translation of a report by the Danish newspaper “Information” from the first 12 days in the trial against the Danish State concerning the mass arrests.

Ein Indymedia-Artikel enthält die Übersetzung eines Berichts über die ersten 12 Tage des Prozesses gegen den dänischen Staat wegen der Massengewahrsamnahmen, der in der dänischen Zeitung “Information” erschienen war.

gwup | die skeptiker

Interviews mit Vampiren

Apropos Fantasy-Filmfest: Im Programm findet sich ein weiterer Beitrag, der annähernd ein GWUP-Thema in Szene setzt: “Vampires”, eine Pseudo-Doku (“Mockumentary”) über eine Familie von “echten” Vampiren, die unerkannt in einer belgischen Wohnsiedlung lebt.

Mit “echten” Vampiren beschäftigen sich in Deutschland der Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke, Mitglied im GWUP-Wissenschaftsrat, und die Psychologin Lydia Ewelin Benecke. Ein ausführliches Interview mit den beiden gibt’s im nächsten Skeptiker, der Anfang September erscheint. Darin berichten die Düster-Experten unter anderem von ihren Gesprächen mit Frauen und Männern, die sich selbst als Vampire betrachten. Was hat es damit auf sich? Mark Benecke:

Echte Vampyre – das „y“ im Namen markiert den Unterschied zu den Vampiren aus Film und Literatur – sind eine zahlenmäßig sehr kleine Subkultur, die weltweit nur wenige tausend Anhänger hat. Es handelt sich um Menschen, die von Zwängen, Ängsten und manchmal auch Blutdurst oder Energiehunger getrieben werden.
Das mag befremdlich klingen, aber ich kenne mehrere „echte“ Vampyre und finde sie sehr sympathisch. Darüber hinaus halte ich sie, wenn sie sich – wie jeder andere auch – ihre Schwächen eingestehen, für durchaus entspannt.”

Und welche Bedeutung hat Blut für “Vampyre”? Lydia Ewelin Benecke:

Die Blutfetischisten unter den Vampyren sind primär auf den sexuell erregenden Effekt aus, den sie bei der intensiven Beschäftigung mit Blut oder beim Bluttrinken verspüren. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Gründe und Motive bei denjenigen, die sich selbst unter den Oberbegriff Vampyre subsumieren.
Sehr verbreitet ist etwa die Vorstellung, über das Blut die Energie anderer Menschen zu ziehen – also die eigenen, zu schwachen Energiereserven auffüllen zu können. Die bereits genannten Energievampire, eine Untergruppe in der Vampyr-Subkultur, belassen es sogar weitgehend bei der bloßen Vorstellung dieses Energietransfers und verzichten dabei vollständig oder zumindest teilweise auf Blut.”

Was Benecke&Benecke vom “Bis(s)-Boom halten, und noch vieles mehr, steht im Skeptiker. Bis dahin werfen wir schnell noch einen Blick auf das skandalumwitterte Vampir-Cover der aktuellen US-Ausgabe des Rolling Stone-Magazins: “Porn Buffy”. Ein Video dazu gibt’s hier.

gwup | die skeptiker

Der Mond ist unschuldig

Ja, es gibt tatsächlich noch andere Reizthemen außer “Rückführungen/Wiedergeburt”.

Eins davon sticht heute Die Welt an:

Es ist bloß ein Mythos: In Wirklichkeit beeinflusst der Vollmond nicht unseren Schlaf. Das belegt auch eine Langzeituntersuchung.”

Oh weh. Wie ausgesprochen empfindlich manche Zeitgenossen auf solche Erkenntnisse reagieren, konnte ich zum Beispiel bei meiner “Weck up”-Sendung erleben, wo der Wünschel-Autor Pierre Franckh neben allerlei Quantenunfug auch seine Schlafstörungen bei Vollmond ausbreitete – und auf kritische Einwände mit vertrauter esoterischer Bezichtigungs-Rhetorik antwortete, die mir sinngemäß etwa so in Erinnerung geblieben ist: “Typisch Wissenschaftler! Ich habe das selbst erlebt – und er (gemeint war ich) sagt, dass es das nicht gibt!”

Überflüssig zu erwähnen, dass das so gar nicht stimmte. Warum sollte ich Herrn Franckhs Schlafprobleme anzweifeln? Die Frage ist nur, welche Ursache man der “Volkskrankheit Schlafstörungen” (Ärztezeitung) gibt. Und da spielt der Mond eben keine Rolle, was übrigens keine neue Erkenntnis ist.

Nichtsdestotrotz finden sich auch bei den Kommentaren zum aktuellen Welt-Artikel einige der immergleichen Einwürfe, zum Beispiel:

Der Mond hebt Meere an aber auf den Menschen hat er keinen Einfluß. Alles Klar!!”

Was soll man dazu sagen? Die Gezeiten entstehen keineswegs dadurch, dass der Mond wie ein Magnet das Wasser einfach nach oben zieht. Sondern die relativ kleinen Gezeitenkräfte regen Schwingungen in den großen Meeresbecken an. Das ist wie mit einer vollen Badewanne: Wenn man die Hand mit der richtigen Geschwindigkeit (nicht zu schnell, nicht zu langsam) hin und her bewegt, dann beginnt die gesamte Wassermasse zu schwingen. Mit erstaunlich wenig Kraftaufwand hält man so etwa 200 Liter Wasser in Bewegung. Außerdem sind die Sonne (zu etwa 30 Prozent) und darüber hinaus auch die Drehbewegung der Erde ebenfalls an den Gezeiten beteiligt.

Apropos Badewanne: In riesigen verbundenen Wassermassen wie den Ozeanen gibt es Gezeiten. Im Bodensee nur noch knapp an der Nachweisgrenze. In einem Olympia-Schwimmbecken gibt es gar keine Gezeiten, in der Badewanne auch nicht – und der Mensch ist schlicht viel zu klein, als dass die Gezeitenkräfte ihn auch nur im Mindesten beeinflussen könnten. Davon abgesehen sind wir schließlich keine Wassersäcke: Frei umherschwappen kann das Wasser im Körper nur innerhalb der winzigen Zellen, im Blutkreislauf und zwischen den Körpergeweben. Da ist nix mit “Gezeiten”.

Oder:

Vollmond = heller, man schläft nich so gut da nicht so dunkel (man bin ich ein kluger Experte).”

So so. Ein “Experte”, der anscheinend noch nie etwas von Jalousien oder Rollläden gehört hat.

Oder:

Es gibt biologische Wirkungen!

Klar gibt’s die – zahlreiche Tierarten richten ihr Verhalten nach den Mondphasen aus. Beispielsweise sind Fledermäuse bei Vollmond weniger nachtaktiv, weil sie bei hellem Mondlicht besser von Fressfeinden entdeckt werden können. 
“Mondphasen” sind also nur ein Spiel von Licht und Schatten, das heißt: Es ist lediglich eine Frage der Reflexion des Sonnenlichts, ob wir den Mond “voll” oder “halb” am Himmel sehen, ob er “abnimmt” oder “zunimmt”. Der Mond als Masse ist immer gleich, was man auch daran sieht, dass Ebbe und Flut nicht nur bei Vollmond kommen, sondern täglich, und dass sehr unterschiedliche Phasen (Vollmond, Neumond) zu sehr ähnlichen Gezeitenphänomenen führen.

 Und so weiter, und so fort. Manche leben eben nicht “mit dem Mond”. Sondern irgendwo hinterm Mond.

Zum Weiterlesen:

gwup | die skeptiker

Wasser und Esoterik

“Nachdenkliches Heilwasser” überschreibt Dr. Werner Bartens heute seine Rubrik “Medizin und Wahnsinn” in der Süddeutschen Zeitung. Darin erfahren wir auf gewohnt launige Weise von einem – leider nicht näher bezeichneten – Versuch in Dresden, “der dazu angetan war, zu zeigen, was wirklich im Wasser” steckt:

Es ging darum, welche Auswirkungen positive wie negative Gedanken auf das Wasser haben. Unter den Augenzeugen des Experiments wurde als bekannt vorausgesetzt, dass Wasser durch verschiedene Einflüsse wie Musikschwingungen, Gebete und Meditationen Informationen und Energien aufnehmen kann.
Der Versuchsaufbau kann nur als ausgeklügelt bezeichnet werden. Auf den ersten Wasserbehälter konnten die Kongressbesucher positive Gedanken projizieren. Um methodische Zweifel zu zerstreuen, gab es einen zweiten Wasserbehälter, auf den die Kongressbesucher negative Gedanken projizieren sollten. Als Clou muss das dritte Gefäß gelten. In diesem Behälter befand sich zur Kontrolle ,,neutrales’ Wasser, auf das keinerlei Gedanken projiziert werden sollten.
Der Ausgang des Versuchs ist unklar, vermutlich hat ein Saboteur fiese Gedanken an das neutrale Wasser gerichtet. Trotzdem sollte der Ansatz weiter verfolgt werden. In Wasserwerken tun sich neue Berufsfelder auf, damit künftig nicht nur Warm und Kalt aus der Leitung strömt, sondern auch ein Hahn für positives und negatives Wasser geöffnet werden kann.”

Das erinnert mich sogleich an eine Anfrage, die vergangene Woche an die Skeptiker erging. Und zwar nach einer gewissen Dr. Enza Maria Ciccolo, die ein ominöses “Lichtwasser” propagiert und damit anscheinend eine sektenartige Anhängerschaft begeistert. Leider habe ich zu der Dame bislang nicht mehr kritische Infos als diesen italienischen Blog finden können. Tipps und Hinweise sind sehr willkommen!

Dafür ist der GWUP-Themenbereich auf unserer Homepage soeben um den Eintrag “Wasserbehandlung” erweitert worden. Darin heißt es unter anderem:

Esoterische Verfahren sind oft mit Namen verbunden, etwa Johann Grander (Granderwasser), Wilfried Hacheney (levitiertes Wasser), Roland Plocher (revitalisiertes Wasser) oder Masaru Emoto (Wasserkristallformen). Charakteristisch für derartige Verfahren und entsprechende Geräte ist die Behauptung, dass sie das Wasser durch Übertragung nicht näher spezifizierter Informationen, Schwingungen oder Energien verändern. Angeblich geschieht dies ohne chemische Zusätze, elektromagnetische Felder oder sonstige messbare Energiezufuhr.
Aus naturwissenschaftlicher Sicht ist das nicht nachvollziehbar. Wasser kann so nicht verändert werden und insbesondere keine Information aufnehmen, speichern oder abgeben.”

Zum Weiterlesen:

  • Das Gedächtnis des Wassers, Skeptiker 2/2008
  • Zaubertricks mit Wasser, diewahrheit am 8. Juni 2010

classless Kulla

Julian Assange bei Twitter: Vergewaltigung & Verschwörung

Zwischen der umlaufenden Nachricht, daß nach Wikileaks-Gründer Julian Assange in Schweden wegen der Vergewaltigung und Belästigung zweier Frauen gefahndet wurde und der etwa 4 Stunden später folgenden offiziellen Pressemitteilung, daß die Anklage fallengelassen wird, war gestern vor allem bei Twitter sehr schön zu beobachten, wie der Gedankenkurzschluß des “Cui bono?” funktioniert und auch wie Vorverurteilungen sowohl negativ als auch positiv ausfallen können.

Ein Joss Mac Donald formulierte die Einladung: “Julian Assange accused of rape one month after Afghan leaks. To all conspiracy theorists, you’re allowed to go nuts over this one.”

Und das taten sie dann auch:

engola: “Krieg gegen Wikileaks hat begonnen”
Paul Bird: “the smear campaign starts!”
Mark Jacobs: “for want of fresh propaganda ideas, the old sexual allegation plot”

Ohne zu zögern, ohne erkennbaren Zweifel wurde von vielen sofort automatisch davon ausgegangen, daß die beiden Frauen gelogen hatten und/oder gekauft waren. Und daß das zeitliche Zusammenfallen mit Assanges prominenter und umstrittener Position aus den Anschuldigungen einen Teil eines Plots machen würde:

Konstantin Winkler: “Die Sache mit Julian Assange riecht wirklich stark nach Verschwörung.”
Oscar Rylin: “Two flies with one stone. Assange accused of rape in Stockholm. Days after Pirate Party agrees to host WL. Political BS, US involved?”
Christian Schlender: “wird #Schweden von der #cia / #nsa regiert?? Der Arm reicht weit.”

Während den Frauen unbesehen nicht geglaubt wurde, wurde Julian Assanges eigenes Dementi, in dem er wie seine Anhänger sofort einen Plot impliziert, schnell hundertfach retweetet: “the charges are without basis and their issue at this moment is deeply disturbing.”

Auf die Frage eines Twitterers: “Mm, but why would ‘a little rape accusation’ in Sweden be Pentagons first choice of move, if they want to shut up #Assange?”, kommt - man kann sich die Stimme dazu prima vorstellen - von einem anderen zurück: “It wasn’t their first, and it wasn’t their last move.”

Da ich auf Arbeit herumstand, nahm ich selbst am Gezwitscher teil:

“Stop jumping 2 conclusions everybody! Just because Julian Assange is your nice & right guy doesn’t mean the women are lying”
so, as long Julian Assange is speaking for #Wikileaks, anything he is accused of will just be dirty tricks and smear campaign?”
it would have been proof for a conspiracy if Julian Assange would have been charged as well as now that he is no longer wanted, am I right?”
& jetzt? allgemeine Erleichterung, Welt in Ordnung, der Gute gut, Bild geradegerückt - oder Enttäuschung, daß der Held nicht leiden muß?”
mantra of the day: I’m not a conspiracy theorist but… (…when it fits my beliefs I will believe in a conspiracy no matter what…)”

U.a. führte ich dieses Zweigespräch, in dem es mir nicht gelang, dem User nilys seine eigene Denkautomatik begreiflich zu machen:

Ich: “weird how many people automatically assume the #rape accusation against Julian #Assange to be just dirty tricks & campaign”
nilyr: “Given recent DOD statements, upcoming Swedish elections.. what makes you think it’s weird?”
Ich: “the automatics - the implied assumption that women lie about being raped”
nilyr: “Normally I’d agree, but I consider this to be more of an automatic assumption of CIA/other activity. We KNOW politics is sleazy ;)
Ich: “and therefore you know the women are lying?”
nilyr: “No. OTOH, I prefer to believe a man with no history of violence/abuse over a gov’t that will use any and all means to silence him.”
Ich: “because nice guys never rape?”
nilyr: “I never said that. Are you saying people can’t be bribed to lie? Obviously, we don’t agree with each other.”
Ich: “I want to stress the fact that you and I don’t know what happened there - you jump to conclusions though, I’m trying not to do this”

Darauf kamen von ihm zwei der ganz typischen Reaktionen des Nachmittags:

1): “Given that the woman who now claims she was raped was “unsure” about what happened, and had the police TELL her she was raped…”
2): “The timing is too interesting. One of the most watched, “uncomfortable” people in the world just so happens to commit a crime?”

Spezifika von Vergewaltigungsfällen werden zu Auffälligkeiten und Merkwürdigkeiten, die umgehend für einen Plot sprechen. Und das zeitliche Zusammenfallen mit Assanges öffentlichen Auseinandersetzungen, das in vielen Formulierungen eben nur “interesting” ist, gilt dennoch ebenfalls als - mehr oder weniger starker - Hinweis auf einen Plot.